Frühlingsanfang

Frühlingsanfang *
Frühlingsgedicht –

Der Frühling steigt aus seinem Bette.
Etwas verkatert ist er noch,
weil er gern noch geschlafen hätte,
die Zeit plant anderes jedoch.

So taumelt matt er durch die Tage,
sein Gang ist holprig, schwer und lahm,
der Neuanfang ist eine Plage,
müd’ hängt er an des Winters Arm.

Er sieht, den Menschen geht’s nicht besser.
Sie kämpfen gegen Schatten an,
die Augen stumpf, die Wangen blässer,
kein Funke, der noch leuchten kann.

Doch hört er sacht ein leises Klingen,
ein Wispern tief in Baum und Strauch.
Es drängt ihn, munter mitzuschwingen
voll Lebenslust und frischem Hauch.

Er möchte lachen und genießen
die schönen Seiten seiner Zeit,
die Blüten, Blätter, die nun sprießen
in kunterbunter Munterkeit.

„Ich werd euch folgen guten Mutes!“
ruft aufgeweckt er ihnen zu.
„Ihr seht von mir fortan nur Gutes!
Vorbei ist’s mit der Winterruh.“

© Elke Bräunling

Jedem das Seine

Jedem das Seine *
Gedicht Frieden – Zeitkritik –

Lasst uns unsere Feste feiern
auf den Straßen und gemeinsam,
denn zusammen sind wir viele
und kein Mensch bleibt einsam.

Lasst uns friedlich demonstrieren
für die Sache, die uns wichtig.
Diese laut euch mitzuteilen.
ist für uns heut richtig.

Lasst uns unsere Meinung teilen,
denn wer redet, der zeigt Haltung
und Gesicht unter den Vielen
ohne gleiche Schaltung

Lasst uns Menschen Menschen bleiben!
Niemand lässt sich gern verbiegen,
keiner von uns will sich wünschen,
dass wir uns bekriegen.

Lasst uns unsern Frieden wahren!
Kriege gehn auf eure Konten
und wir haben nichts zu suchen
zwischen euren Fronten.

Lasst uns unser Leben leben,
denn wir haben nur das eine.
Unser Motto, das soll heißen:
Jedem sei das Seine.

© Elke Bräunling

Frühlingsflüstern

Frühlingsflüstern *
Vorfrühlingsgedicht für Kinder –

Psst! Da raschelt es am Boden,
alte Blätter knacken leis
und ein klitzekleines Mäuschen
huscht vorbei im Sonnengleiß.

Nun hört man ein leises Brummen.
Über totem Laub daher
summt das erste Frühlingsbienchen,
Flügelchen vom Schlaf noch schwer.

Mitten auf dem Buschwindröschen
macht ein Käfer kurz mal Rast.
Um im Sonnenlicht zu baden,
ist er heute gern hier Gast.

Ringsum regt sich neues Leben
auf dem Boden nun im Wald,
und der Frühling lauscht dem Liede,
das hier froh für ihn erschallt.

© Elke Bräunling

Am Abend vor der Wahl

Am Abend vor der Wahl *
Zeitkritik –

Wahlkampfabschluss.
Alles ist gesagt.

Worte, süß wie Hagelzucker,
sind unters Volk verstreut,
Hirne gewaschen,
Lügen gut dosiert
und Werte meistbietend verkauft,
… Frust inbegriffen.
Und nun nimm und friss, Wähler!
Wir haben uns Mühe gegeben.
Sei dankbar
und mach gefälligst
das verdammte Kreuz
morgen an die richtige Stelle,
sonst …
Ja, was sonst?

© Elke Bräunling

Übervoll im Kopf

Übervoll im Kopf *
Gedicht Gefühlswelt (Zeitkritik) –

Ich bin so übervoll im Kopf
mit Worten und Gedanken,
allein die inn’re Stimme hält
beim Reden mich in Schranken.

Ich fresse viel in mich hinein
und will’s doch gern erzählen,
doch wär es bar jeder Vernunft
und würde uns nur quälen.

Die Übermacht ist viel zu groß
derer, die anders denken,
und die mir, teilte ich mich mit,
nur Spott, Verachtung schenken.

Die Zeit für Wahrheit ist nicht reif,
noch gilt’s zu schweigen, hoffen,
bis auch der Letzte aufgewacht,
der Ausgang, der bleibt offen.

Ich bin so übervoll im Kopf
und möchte nur laut schreien,
denn all das Ungesagte drängt
heraus, mich zu befreien.

© Elke Bräunling

 

Jeder ist mal ‚Nadsi‘

Jeder ist mal ‚Nadsi‘ *
Gedicht – Zeitkritik mit einem Augenzwinkern –

Ich bin ein Mensch,
der andern hilft
und sich an deren Freude freut.
Zum Danke nun
nennt mancher mich
verachtungsvoll schlicht „Nadsi“ heut.

Ich bin ein Mensch,
der Menschen liebt
und ihnen sehr viel von sich gibt.
Die Heimat lieben
darf ich nicht,
weil man mich sonst nach „Räächts“ hin schiebt.

Ich bin ein Mensch,
der schwer genervt
vor Propaganda Reißaus nimmt.
Ob links, ob rechts,
ihr könnt mich mal!
Was ist es, das mit euch nicht stimmt?

© Elke Bräunling

Die erste Hyazinthe

Die erste Hyazinthe *
Fröhliches Gedicht zum Schmunzeln – Ein kurzer Wunsch nach Liebe *

Die erste Hyazinthe
steht auf der Fensterbank.
Sie ist tiefblau wie Tinte,
ihr Körper zart und schlank.

„Oh, komm, du meine Schöne,
du duftest wie ein Traum.
Ich möcht dich gerne küssen“,
sagt da der Gummibaum.

„Am liebsten würd ich baden,
in deinem feinen Duft,
der mich mit tiefem Sehnen
so lockend zu dir ruft.“

Da lacht die Hyazinthe
mit sanftem Spott im Ton.
„Du glaubst, ich kann dich lieben?“,
fragt sie mit leisem Hohn.

„Ich als zarte Blüte
und du als schnöder Baum?
Das passt nicht für die Liebe,
und das nicht mal im Traum.

Kurz nur ist das Leben.
Ein paar Tage, dann ist Schluss.
Ich hab dir nichts zu geben,
schon gar nicht einen Kuss.“

Die Hyazinthe redet
und redet immerzu.
Der Gummibaum, er leidet
und wünscht sich seine Ruh.

Er hat das mit der Liebe
sich anders vorgestellt.
Nun wünscht er sich nur eines:
Dass sie die Klappe hält.

© Elke Bräunling

Schneeglöckchenglöckchen

Schneeglöckchenglöckchen *
Kleines Gedicht zum Valentinstag oder zum Geburtstag –

Schneeglöckchenglöckchen
hab ich heut gepflückt
für dich zum Valentinstag.
Schneeglöckchenglöckchen.
Ein Sträußchen, es schmückt
dein Herz, das ich so sehr mag.
Schneeglöckchenglöckchen,
sie bimmeln ganz zart
und Freude kehrt bei dir ein.
Schneeglöckchenglöckchen
soll’n auf sanfte Art
die Boten der Liebe sein.

© Elke Bräunling

Frühlingsweide

Frühlingsweide *
Vorfrühlingsgedicht für Kinder –

Verborgen noch im Winterkleide
träumt still der Frühling vor sich hin.
Nur in der hohen alten Weide
öffnen sich schon mit leisem Pling
die ersten Blüten zart und hell
mit einer Haut so weich wie Fell.

Und bald erklingt ein munt’res Summen
allüberall im Blütenmeer,
ein wildes, aufgeregtes Brummen,
es kommt vom überall hierher,
denn mit der Weide über Nacht
sind auch die Bienen aufgewacht.

Es ist, als ob die Welt erwache
aus einer kalten, dunklen Zeit
und wie erlöst nun wieder lache
mit neuer Frühlingsheiterkeit.
Und bald liegt wieder in der Luft
ein köstlich süßer Blütenduft.

Den Frühling stört’s nicht, er schläft weiter.
Er hat’s nicht so mit Drängelei.
Den Lauf der Dinge, denkt er heiter,
bestimme ich, ich bin so frei,
denn meine Zeit braucht ihre Zeit,
und dazu ist’s noch nicht soweit.

© Elke Bräunling

Februarstimmungen

Februarstimmungen *
Gedicht

Ein kalter Wind streift übers Land.
Dem Frühling schaudert’s, ihm ist kühl.
Er ahnt, er sollt’ noch etwas warten,
so hat er’s im Gefühl.

Den Hund jagt keiner vor die Tür,
der Winterschlaf hält weiter an,
die Katze möchte Missmut zeigen,
doch keiner schert sich dran.

Die Spatzen sind auch nicht erfreut.
Das Warten stört sie ungemein.
In ihrem Blut spür’n sie ein Rauschen.
Es sollt’ bald Hochzeit sein.

Der Mensch legt sich noch einmal hin.
Er achtet g’rad sehr aufs Gewicht
und würd’ doch gern im Honig baden.
Wer schläft, der sündigt nicht.

Ein Narr streift suchend durch das Land
nach and’ren, die, verrückt wie er,
der Zeit die lange Nase zeigen.
Das fällt auch gar nicht schwer.

Die Laune könnte besser sein,
die Stimmung, die ist ringsum lau.
Der Monat ist nur schwer zu mögen,
auch sein Humor ist flau.

© Elke Bräunling

Das frühe Veilchen

Das frühe Veilchen *
Kleines Frühlingsgedicht

Was blitzt da blau? Ich hab’s gesehn.
Ein Veilchen, ach, so wunderschön!
Es lächelte im Winterlicht
und kroch zu mir in dies’ Gedicht.

„Hier bleibe ich“, sprach es zu mir,
„ein Weilchen nun und wart’ mit dir
auf Frühlingsluft und Sonnenschein
mit Veilchenduft, so süß und rein.“

Ich freute mich und nahm’s mit heim
und schenkte Worte ihm im Reim.
Wir hatten eine gute Zeit –
und Frühling war auch nicht mehr weit.

© Elke Bräunling

Abgesang

Abgesang *
Gedicht zum Ende des Winters – 

Der Winter klebt wie Kaugummi
mir zäh auf dem Gemüt.
Die Kälte schlägt mir ins Gesicht,
mein Körper bebt und glüht.
So quäl’ ich mich durch diese Zeit
und hoffe, dass er bald
das Weite sucht, ich bin’s so leid
und mir ist’s nur noch kalt. …
Was mich daran am meisten stört?
Dass er mein Jammern nicht erhört.

© Elke Bräunling

Das Licht ist da

Das Licht ist da *
Gedicht zu Lichtmess –

Das Licht ist da.
Es trägt gold’ne Tupfer
auf seinem Gewand
und streicht
sanft und zärtlich
uns über’s Gesicht.

Das Licht ist da.
Es streift durch die Stunden,
sein schimmernder Schein
küsst uns
die wintermüde
Seelen zärtlich wach.

Das Licht ist da.
Ich öffne die Arme
und strahle vor Glück
nun auch,
und so lächeln wir
zum Gruße uns zu.

© Elke Bräunling

Februar

Februar *
Gedicht zum Monat Februar

Du trägst den Frühling auf deinem Rücken
und bist es dir doch noch nicht bewusst.
Du willst uns mit Narreteien entzücken
und erntest doch meistens nur Frust.

Man braucht Geduld, um dich zu ertragen.
Der Wintermuff klebt an deinem Kleid.
Die Tage sind zäh und schwer ihre Plagen,
der Überdruss selbst tut sich leid.

Nur gern windet man sich aus deinen Armen
und flieht ins Freie ans zögernde Licht,
das kichernd sich ziert in kindlichen Dramen
und sich im Hall deines Unmuts bricht.

Du bist kühl und du hast deine Launen,
doch sei dir gewiss: Wir halten dich aus
und üben nun schon mal freudig das Staunen
im Frühlingstaumel – und dann bist du raus.

© Elke Bräunling