Die Borke

Die Borke
Gedicht von der Beständigkeit
Die Borke platzt. Der Baum bleibt stumm.
Er trägt sein Alter wie ein Kleid.
Der Mensch geht weiter, blind und krumm
und ahnt nichts von Beständigkeit.
Sie knackt auch gerne mal bei Frost
und spricht in Tönen, die man hört,
wenn man beim Wandern, ganz bei sich,
den Alltag aus dem Kopfe kehrt.
So steht der Baum. Und schweigt. Und steht.
Er weiß: Die Welt vergeht nicht schnell.
Die Borke aber trägt er stet,
ein bisschen rau im harten Fell.
Ein Mensch, zum ersten Mal verliebt,
ritzt Herz und Namen in ihr Kleid.
Der Baum, der leise weiter wächst,
vergisst den Schmerz. Und hat noch Zeit.
© Elke Bräunling
#juniverse2025 – Borke
Und hier wird die Borke musikalisch. Danke, Balz, für dieses zauberhafte Lied
Von Elke Bräunling (Text) und Balz Burch (Musik)


Vorgestern sah ich so einen Baum. Viele Buchstaben in Herzchen sind im Laufe der Jahre mitgewachsen. Nach oben und in die Breite. Jedes Mal bin ich dann am Überlegen, wer wohl einst diese Spuren der Erinnerung hinterlassen hat. Aber die Bäume bewahren das Geheimnis …
Ja, wenn sie sprechen könnten. Das wäre sehr spannend.
Dennoch tun mir solche Bäume leid. Ich stelle mir vor, dass dieses Ritzen auch für sie schmerzhaft ist. Alle Lebewesen empfinden Schmerzen.
Ja, genau das denke ich auch immer. Es ist eine Wunde und ich würde das keinem Baum zumuten. Die Behauptung, dass sie kein Nervensystem, kein Gehirn und keine Schmerzrezeptoren besitzen, kann ich auch nicht glauben. Woher will Mensch das wissen. An der Reaktion von vielen Pflanzen erkenne ich, dass sich da der Mensch irren muss.