Kategorie: Allgemein

Nur ein Tag dauert ihr Leuchten

Taglilien vorm Haus

Die Taglilien vorm Haus.
Jeden Morgen pflücke ich ihre welken Blüten ab.
Sie sehen aus wie kleine zusammengeknüllte Taschentücher.
Manche Blüten öffnen sich gerade erst.
Andere beginnen schon zu welken.
Nur einen Tag dauert ihr großes Leuchten. Dann ist ihr Sommer vorbei.
Warum nur einen Tag?, denke ich.
Dann entdecke ich die nächsten Knospen.
Und plötzlich wirkt die Vergänglichkeit ein bisschen weniger traurig.

Sommerregentropfenlied


Sommerregentropfenlied
Fröhliches Kinderlied

Regentropfen tropfen, klopfen,
wenn die Sonne Pause macht,
Tropfen von den Köpfen tropfen,
und der Sommer feixt und lacht.

Regentropfen tropfen, klopfen
prasselnd laut auf jedes Dach,
dass man meint, sie würden hopsen.
Und gleich ist man fit und wach.

Was macht man an Sommertagen,
wenn’s regennass ans Fenster klopft?
Was soll man dazu auch schon sagen,
wenn es ständig pladdert, tropft?

Sag nichts! Beschließe auch zu lachen.
Lachen treibt die Wolken weg.
Lass das Wetter einfach machen.
Sonnenschein lugt bald ums Eck.

© Elke Bräunling


Und dazu hat Balz Burch ein sehr fröhliches Tropfentropfentropfenlied komponiert.

(Text von Elke Bräunling und Musik von Balz Burch)

 

Illustration Junge am Fenster schaut den Regentropfen auf der Straße zu, die tanzen

Juniverse 2026

Juniverse 2026

Illustration Spiegel mit Männergesicht, angedeutet am RAnd in Teilen Monstergesichtchen, Flügel, Schwanz etc.

 

Riesen
Manchmal sind Riesen
nur Sorgen von morgen.
Von weitem erscheinen
sie furchtbar und groß.
Doch tritt man näher,
dann werden sie kleiner –
und lassen uns los.

Zwerge
Zwerge sind Leute,
die alles verkleinern.
Die Freude.
Die Hoffnung.
Und manchmal sich selbst.

Nachtkrabb
Der Nachtkrabb kommt leise,
wenn alles schon ruht.
Er stiehlt aus den Träumen
der Menschen den Mut,
das Erinnern, die Bilder,
und darin ist er gut.
Doch manchmal genügt
ein Lichtschein im Zimmer.
Schnell schrumpft er zusammen
und schweigt dann für immer. Weiterlesen

Frühlingsweide

Frühlingsweide *
Vorfrühlingsgedicht für Kinder –

Verborgen noch im Winterkleide
träumt still der Frühling vor sich hin.
Nur in der hohen alten Weide
öffnen sich schon mit leisem Pling
die ersten Blüten zart und hell
mit einer Haut so weich wie Fell.

Und bald erklingt ein munt’res Summen
allüberall im Blütenmeer,
ein wildes, aufgeregtes Brummen,
es kommt vom überall hierher,
denn mit der Weide über Nacht
sind auch die Bienen aufgewacht.

Es ist, als ob die Welt erwache
aus einer kalten, dunklen Zeit
und wie erlöst nun wieder lache
mit neuer Frühlingsheiterkeit.
Und bald liegt wieder in der Luft
ein köstlich süßer Blütenduft.

Den Frühling stört’s nicht, er schläft weiter.
Er hat’s nicht so mit Drängelei.
Den Lauf der Dinge, denkt er heiter,
bestimme ich, ich bin so frei,
denn meine Zeit braucht ihre Zeit,
und dazu ist’s noch nicht soweit.

© Elke Bräunling

Flecke auf der Seele

Flecke auf der Seele *
Gedicht zu den Attentaten –

Ich solle nicht schwermütig werden,
wenn mich der Tod eines andern berührt.
Es gehe stets weiter, dies Leben auf Erden.
Wen kümmert es, was ich gerade gespürt?

Auch soll ich Gefühle nicht zeigen,
sagst du und wischst meine Worte schnell weg.
Nicht denken, nicht reden, bequemer ist schweigen.
Und wieder wächst auf meiner Seele ein Fleck.

Er ist schon ganz dunkel geworden,
der Ort, der das Licht meiner Seele bewahrt,
verstopft mit Gefühlen, verlorenen Worten,
die die Gleichgültigkeit achtlos mit Füßen trat.

© Elke Bräunling

Silvesternacht

Silvesternacht *
Gedicht zum Jahreswechsel –

Hallo du!
Mit Getöse bist du gekommen
und hast meine Gedanken mitgenommen
ins Neue,
das dem Alten gleicht.

Feuerfunken im Himmel
und Polizeitütatü,
Städte versinken im Rauch,
Menschengewimmel,
So bunt und so fremd wie noch nie
und Flattern im Bauch.

Hallo du!
Was wirst du uns mitgebracht haben?
Ein Hoffen, ein Winken, ein Darben
im Neuen,
das bald uns erreicht?

© Elke Bräunling

Das lächelnde Leben


Das lächelnde Leben *
Friedensgedicht für Groß und Klein – Wenn alle mehr lächeln würden

Stell dir vor, die Menschen tragen
stets ein Lächeln im Gesicht.
Auch an Tagen voller Plagen
zeigen sie den Ärger nicht.

Dieses Lächeln kommt von Herzen
und es leuchtet strahlend hell
wie das Licht von hundert Kerzen
als der Freude höchstem Quell.

Und es wandert leise weiter
in die Welt mit sanftem Hall.
Menschen lächeln froh und heiter,
Liebe, Frieden überall.

Freundlich wäre unser Leben
voller Kraft und Schwung und Mut,
würd’s das Lächeln öfter geben,
hätten wir es richtig gut.

© Elke Bräunling

 

Ein sehr besinnliches Lied hat der liebe Balz Burch zu diesem Gedicht geschrieben. Viel Freude beim Zuhören.

(Text von Elke Bräunling und Musik von Balz Burch)

Der kalte Wandel

Der kalte Wandel *
Herbstgedicht für Melancholiker

Der Herbst trägt heute silbergrau,
die Sonne fühlt sich ausgebrannt.
Man fröstelt leicht, die Luft ist rau,
Es ist nicht schön, doch allbekannt,

wie schnell die warme Zeit vergeht
und Leichtigkeit im Wind verweht.
Der Mensch ist aufgebracht und denkt:
Dies Wetter will man nicht geschenkt.

So steht er da, frustriert, bedrückt
und hält den Wandel für verrückt,
der viel zu schnell kam und so bald.
Der Mensch seufzt tief. Ihm ist so kalt.

© Elke Bräunling

Poetenalltag

Poetenalltag *
Gedicht zur Kreativität –

Von Wortfetzen,
verlorenen Reimen,
Fragmenten, Ideen,
und ungeschriebenen
Geschichten
erschlagen
sitzt du vor mir
und weinst,
bevor du all den
unvollendeten Kram
mit einer Handbewegung
zusammenfegst
und im Papierkorb versenkst,
um danach eines
dieser Lieder
zu schreiben,
die von Überfluss handeln,
Wehmut und Verlassenheit.

© Elke Bräunling

Herbst auf meinem Teller

Herbst auf meinem Teller *
Fröhliches Herbstgedicht für Groß und Klein

Kürbissuppe, Zwiebelkuchen,
eine Quiche mit neuem Wein
solltest du einmal versuchen.
Es schmeckt delikat und fein.

Feine Pilze und Maronen
findest du in Wald und Flur
mit den köstlichsten Aromen,
eine Gaumenfreude pur.

Eintöpfe und Kohlrouladen
wärmen wohlig Herz und Bauch,
Würstchen, Käse, Speckbrotfladen
munden dir bestimmt jetzt auch.

Süßes darfst du nicht vergessen:
Zwetschgendatschi, Apfeltarte,
Dampfnudeln, ein Schlemmeressen!,
rote Grütze, süß und zart.

Viel gäbe es noch zu sagen,
Köstliches hab ich entdeckt,
doch mir knurrt grad schon der Magen –
Herbst auf meinem Teller schmeckt.

© Elke Bräunling