Oktobergold im Sonnenschimmer.
Bäume wandeln sich in Juweliere
im Versuch, ihr schimmernd Blattgewand
uns anzudrehn im Sonnenschlussverkauf.
Wir greifen zu mit vollen Händen,
in sehnsuchtsvoller Gier nach Sommer-Reste-Licht
für ein paar Momente nur. Vergeblich,
denn nichts, was glänzt, bleibt ewig Gold.
Ich sitz so gern einfach im Grase
und schau in den Himmel hinein.
Da rümpfen die Leute die Nase:
„Nun tu mal was! Du fauler ‚Hase‘!
Hier immer nur sitzen? Oh nein!“
Refrain Und ich sitze und denke und träume.
Mein Kopf, der mag niemals ruhn:
Da wachsen Ideen wie Bäume,
da öffnen sich Bilder und Räume …
Wer denkt, der hat echt viel zu tun.
Das Gras singt ein Lied mit dem Winde,
die Biene besucht ihren Klee,
die Wolke malt Bilder geschwinde:
ein Schiff, einen Bär, eine Kinder-
karussellfahrt hoch überm See.
Da rufen die Wolken: „Komm, reise!
Komm, reise doch mit übers Land!“
„Heut nicht!“, sag ich höflich und leise,
„ich denk grad auf eigene Weise,
und da gibt’s zu tun allerhand!“
Gesprochen (das Wölkchen, kichernd): „Die Gedanken sind frei! Frei wie wir!“ (Das denkende Kind, ruft hinterher): „Danke! Das merke ich mir!“
Und heißt es: „Der sitzt da und träumt bloß
so träge und arbeitet nicht!“,
dann lach ich, bei mir ist ganz viel los,
die Welt der Gedanken ist so groß
und voll wie ein Korb voller Licht.
Septembertag.
Zum Abschied malen Bergseen ihre Farben in den Himmel.
Die Blätter der Birke lächeln goldtupfig in pfifferlingsduftiger Luft
und Wolkenkind dreht voller Übermut eine Pirouette.
Emotionen flirren wie Sommerobstmücken unsichtbar durch den Tag.
Solche. Und solche. Und andere.
Sie sind frei und suchen die Seelen, die
– in Abschieds- und Aufbruchstimmung –
ihre wunden Seiten entblößen.
Fühligkeiten.
Sensibilitäten.
Sie. Er. Ich.
Du auch?
Da bist du nun und sollst willkommen sein,
malst Gold ins Laub, streust Licht herein.
Dein Wind, so sanft, holt stumm das kleine Glück
von Sommerträumen noch einmal zurück.
Das Dunkel aber sitzt dir schon im Haar
und raunt uns zu: „Der Herbst ist da!“
Und leis mit einer Prise Traurigkeit
schleicht Morgennebel in dein goldnes Kleid.
Glück ist kein Plan – Zwei Ufer FRIEDENSSOMMER 3 – Ein Friedenslied
Sie sind früh bergauf gestiegen,
Blütenduft am Wegesrand.
Nordwärts glänzt der See, dort liegen
Deutschlands Ufer sanft verschwiegen.
West und Süd: das Schweizer Land.
„Oma sprach oft von Sirenen,
Keller, Hunger, Kriegsgeschrei.
Von der Flucht, dem langen Sehnen“, …
flüstert sie da, fast in Tränen:
„Und kein Sommer – sorgenfrei.“
Er sprach: „Großvater erzählte.
Nachts stand er am stillen See.
Drüben brannte’s. Und es quälte
ihn, wie nah das Schicksal wählte:
hier das Licht – und dort das Weh.“
Unten feiern sie das Leben,
Sommermusik weht herauf.
Wie die Menschen damals eben:
arglos, hell dem Tag ergeben.
Und kein Schatten hält sie auf.
Bridge
Sie: „Glaubst du… es kommt wieder?“
Er (nach langer Pause): „Ich weiß es nicht. Wir hatten damals Glück. Aber Glück ist kein Plan.“
Sie (leise): „Nein. Glück ist kein Plan.“
Und sie teilen Brot und Wasser,
sitzen lange noch zu zweit.
Wind wird kühler, Licht wird blasser,
tief im Tal das große Wasser
still und grenzenlos und weit.
Und sie steigen ab, die beiden,
Seit‘ an Seite, Schritt um Schritt
durch die abendstillen Weiden.
Zwei, die im Erinnern leiden.
Und die Frage wandert mit.
Refrain
Unten feiern froh die Leute,
und der See glänzt weich und weit.
Schön wie damals ist das Heute.
Sucht das Gestern sich schon Beute?
Findet uns die alte Zeit?
Die Musik des Waldes, an manchen Tagen hallt sie lauter und melodischer und vielstimmiger durch Hänge und Täler. Zumeist an grauen, unspektakulären Tagen, an Tagen wie heute. Als hätten sich die Vögel zur Generalprobe des großen Sommerkonzerts getroffen, so wundervoll einzigartig haben sie heute gesungen, getschilpt, gezwitschert, jubliliert und tiriliert.
Es war ein heiteres, aufgeregtes, ein fast forderndes Singen. Ein Wald-Allegretto.
Ein großer Chor, besetzt mit den brillantesten Stimmen der Natur.
Ein Gesang zu Ehren der Natur, des Lebens.
Ja, so ein Tag war das heute.
Das Menschenkind, das durchs Gelände streifte, weinte in stummer Ehrfurcht leise Tränen.
Glückstränen.
Blumensträuß-chen.
Kaffeepäus-chen.
Himmelsblau und Sonnenschein.
Gartenräum-chen.
Urlaubsträum-chen.
So könnt’s Leben immer sein.
Liegestühl-chen.
Wohlgefühl-chen.
Ländlich’luft und Glockeng’läut.
Schwalbenschwänz-chen.
Grillentänz-chen.
So malt’ ich den Tag mir heut’.
Vor langer Zeit, da lagen Schatten
kalt und düster überm Land,
als die Menschen mit den satten
Drachensöhnen Zwiste hatten
und es sich kein Ausweg fand.
Der Drache saß fett auf den Schätzen
voller Gier blind auf dem Thron,
ließ die Völker sich verhetzen,
hielt sie fest in seinen Netzen
für die Macht als seinen Lohn.
Die Menschen, die darunter litten,
duckten sich und hielten still,
konnten nicht um Frieden bitten,
nicht um Gnade, doch sie stritten
nun auch miteinander viel.
Als es der Drache überspannte
einmal dann zu weit vor Gier,
fauchend durch die Städte rannte
und das Land wie Zunder brannte,
schien das End’ gekommen schier.
Die große Stille war gekommen.
Demütig, wer übrig blieb.
Drachenblut verlöscht, zerronnen
endete in Aschetonnen,
wie es die Geschichte schrieb.
Bridge
Kein Getöse. Kein Triumphgeschrei
Nur ein Feld. Ein leiser Wind.
Dunkle Zeiten sind vorbei.
Der Mensch steht da, von Ängsten frei
und arglos wie ein kleines Kind.
Refrain
Zeiten des Drachen.
Dunkelheit. Schmerz.
Kein Ausweg. Kein Licht.
Kein Hoffen! Kein Herz!
Ein Schrei im Finstern
und drei Tage zum Licht,
bis die Welt wieder atmet
und das Licht …
…
bleibt.
Hallo Tag!
Golden ist die Welt draußen. Im Licht der Morgensonne wirken die Blätter der Bäume ringsum, als seien sie von gelben Schleiern umhüllt.
Ich weiß, das wird sich ändern, sobald der Tag die Regie übernimmt und die Luft zu flirren beginnt. Ein Sommersonnentag also. So hoffe ich zumindest. Ich werde ihn genießen.
Jetzt aber klettere ich erst einmal auf einen Baum.
Wie bitte?
Nun gut. Im übertragenen Sinne. „Es gibt kein Verbot für alte Weiber, in die Bäume zu klettern“, sagte Astrid Lindgren an ihrem 80. Geburtstag.
Recht hatte sie.
Also los!
Wer klettert mit?
Alles ist Kunst. Täglich. ART-täglich
Unser ganzes Leben findet Platz in der Kunst – und hier im Blog in Gedichten der unterschiedlichsten Art.
Ich wünsche dir viel Freude damit! ❤
Alles ist Kunst. Täglich. ART-täglich Unser ganzes Leben findet Platz in der Kunst – und hier im Blog in Gedichten der unterschiedlichsten Art.
Ich wünsche dir viel Freude damit! ❤