Kategorie: Gedicht Leben

Die Sprache des Waldes

Die Sprache des Waldes *
Gedicht vom Rascheln und den Geräuschen im Wald –

Wenn’s ringsum raschelt, knackt im Wald
und wenn ein Knistern leise hallt,
wenn’s flüstert unter jedem Baum,
so ist das mehr als nur ein Traum.

Dann bleibe stehn und lausche still,
was dir der Wald erzählen will
von einer ganz besondr’en Welt,
verborgen unterm Blätterzelt:

Ein Hase huscht. Ein Füchslein schnaubt.
Ein Blatt beschwert sich, weil’s verstaubt.
Der Wind pfeift Lieder im Geäst,
was Blätter heimlich tanzen lässt.

Die Bäume schäkern wie verliebt,
und aus dem Nest ein Vöglein fiept.
Da raschelt’s wieder und ein Reh
nascht gierig rasch ein bisschen Klee.

Ein Rauschen hier, ein Flüstern da,
mal aus der Ferne, mal ganz nah,
und wer des Waldes Sprache spürt,
bleibt lange still und tief berührt.

© Elke Bräunling

#juniverse2025 – Rascheln
Reihe „Waldgedichte“

Waldtraum

Waldtraum *
Gedicht vom Moos und vom tröstlichen Zauber des Waldes –

„Hat unser Wald ein Sofa?“,
frage ich mich im Traum
und lege mich ins Moosbett
am Waldrand unterm Baum.

Da lieg ich weich, behaglich,
so wie in einem Nest
in tröstender Umarmung,
die mich gut ruhen lässt.

Ich spür des Waldes Atem
und rieche seinen Duft,
das Schlagen seines Herzens,
das Flirren seiner Luft.

„Wach auf!“, hör ich es flüstern.
„Und nehme diese Nacht
mit in dein buntes Leben,
das Gott für dich gemacht.

© Elke Bräunling

#juniverse2025 – Moosbett
Reihe „Waldgedichte“

 

Spuren

Spuren *
Gedicht von den Spuren im Wald –

Unterwegs im Wald auf Touren
siehst du überall die Spuren
auf dem Boden, zahllos schier,
Abdrücke von Mensch und Tier.
Viele große, kleine Füße
bleiben hier fast so wie Grüße
mit der Botschaft: „Hier war ich –
und vielleicht treff´ ich auch dich!“

© Elke Bräunling

#juniverse2025 – Spuren
Reihe „Waldgedichte“

 

Musik im Wald

Musik im Wald *
Gedicht von den Trommelkünsten des Spechts –

Musik im Wald
Ein Trommelwirbel
hallt ins Tal hinab.
Der Schwarzspecht ist’s,
mit seinem Takt
hält alle er in Trab:

Finken flöten,
Eulen tröten
und das Käuzchen singt sein Lied.
Amseln singen,
Töne klingen
und der Zaunkönig rappt mit.

Der Schwarzspecht stutzt
und lauscht dem Klang!
Wie ist sein Spaß doch groß!
Er nickt und grinst,
dann trommelt er
noch mal von vorne los.

© Elke Bräunling

#juniverse2025/ Schwarzspecht
Reihe „Waldgedichte“

Ein Traum zieht durch die Wipfel

Gedicht und Illustration Kind, Tannen, Mondsichel


Ein Traum zieht durch die Wipfel 
Gedicht von Waldeszauber in der Nacht 

Überm dunklen Tannenwipfel
leuchtete ein kleiner Zipfel,
Licht vom Mond wie ein Gesicht –
und gleich schrieb jemand ein Gedicht

vom Waldeszauber in der Nacht,
der sanft die Waldwelt schläfrig macht
und die Geschichte all’n erzählt
vom Zipfel, der dem Mond nun fehlt.

Ein Kind hört heimlich zu und spricht:
„Es stimmt. Dem Mond, dem fehlt ein Licht,
und das schmückt nun den Tannenbaum.
Vielleicht ist es auch nur ein Traum.“

© Elke Bräunling

#juniverse2025 – Wipfel
Reihe „Waldgedichte“

Selbsthilfeseufzer

Selbsthilfeseufzer *
Gedicht Gefühle –

Ich atme aus, ich atme ein
ganz tief in meinen Bauch hinein.
Ich bin ganz ruhig, sage ich mir,
und still im Innern jetzt und hier.

Nichts lasse ich an mich heran,
weil ich es nicht ertragen kann,
wie grad so mancher krude Geist
mein Weltbild in die Tonne schmeißt.

Ich atme ein, ich atme aus,
und zwickt mich doch mal eine Laus,
dann seufze ich, so laut ich kann …
und alles fängt von vorne an.

© Elke Bräunling

Jedem das Seine

Jedem das Seine *
Gedicht Frieden – Zeitkritik –

Lasst uns unsere Feste feiern
auf den Straßen und gemeinsam,
denn zusammen sind wir viele
und kein Mensch bleibt einsam.

Lasst uns friedlich demonstrieren
für die Sache, die uns wichtig.
Diese laut euch mitzuteilen.
ist für uns heut richtig.

Lasst uns unsere Meinung teilen,
denn wer redet, der zeigt Haltung
und Gesicht unter den Vielen
ohne gleiche Schaltung

Lasst uns Menschen Menschen bleiben!
Niemand lässt sich gern verbiegen,
keiner von uns will sich wünschen,
dass wir uns bekriegen.

Lasst uns unsern Frieden wahren!
Kriege gehn auf eure Konten
und wir haben nichts zu suchen
zwischen euren Fronten.

Lasst uns unser Leben leben,
denn wir haben nur das eine.
Unser Motto, das soll heißen:
Jedem sei das Seine.

© Elke Bräunling

Am Ende des Jahres

Am Ende des Jahres *
Gedicht zum Jahreswechsel –

Was soll ich heut schreiben?
Ich bin so leer.
Sie wollen nicht bleiben,
die Worte. Nicht mehr.

Das Jahr, dieses rüde,
ist bald vorbei.
Es machte mich müde
und wahrlich nicht frei.

Was wird uns erwarten.
Das neue Jahr
wird eins von den harten,
das ist jetzt schon klar.

Ich seufze nur leise
und gebe mich hin
nun zur neuen Reise
und suche den Sinn

© Elke Bräunling

An die Ahnen

An die Ahnen *
Gedicht zu Allerseelen

So grau der Himmel, so schwer das Licht,
doch euer Strahlen verlöscht heute nicht.
Ihr leuchtet wie Sterne in stiller Nacht,
ein Funkeln, das leicht uns im Herzen macht.

Wir spüren euch in der tiefsten Ruh.
Eure Nähe gibt uns die Kraft dazu.
Ein Flüstern, das trägt, so sanft und so klar
für diesen Tag, der den Seelen so nah.

© Elke Bräunling

Ein Moment in Auszeit


Ein Moment in Auszeit *
Gedicht und Lied

Stell dir vor, dich lockt die Sonne
von der Arbeit weg hinaus
in die Herbstluft! Welche Wonne
dieser Freiheit außer Haus!

Und du spürst, du kannst genießen
diesen herbstlichen Moment
und nichts könnte dich verdrießen,
was dir von der Zeit geschenkt.

Schließ die Augen, spür die Wärme
von der Sonnenstrahlen Licht
und genieße, schwelge, schwärme,
spüre sie auf dem Gesicht.

Zärtlich fängt es an zu pochen
in des Herzens tiefem Grund.
Wie vom Glück dir leis’ versprochen
dankst du tief für diese Stund’.

© Elke Bräunling

Balz Burch hat zu diesem Gedicht ein wunderschönes Lied komponiert und eingespielt.
Mit diesem Lied hat er sich bei mir vorgestellt, nachdem er das Gedicht hier im Blog entdeckt hatte. Es war ein Glückstag – und seither arbeiten wir zusammen.
Danke, Balz!

Von Elke Bräunling (Text) und Balz Burch (Musik)

Der kalte Wandel

Der kalte Wandel *
Herbstgedicht für Melancholiker

Der Herbst trägt heute silbergrau,
die Sonne fühlt sich ausgebrannt.
Man fröstelt leicht, die Luft ist rau,
Es ist nicht schön, doch allbekannt,

wie schnell die warme Zeit vergeht
und Leichtigkeit im Wind verweht.
Der Mensch ist aufgebracht und denkt:
Dies Wetter will man nicht geschenkt.

So steht er da, frustriert, bedrückt
und hält den Wandel für verrückt,
der viel zu schnell kam und so bald.
Der Mensch seufzt tief. Ihm ist so kalt.

© Elke Bräunling

Poetenalltag

Poetenalltag *
Gedicht zur Kreativität –

Von Wortfetzen,
verlorenen Reimen,
Fragmenten, Ideen,
und ungeschriebenen
Geschichten
erschlagen
sitzt du vor mir
und weinst,
bevor du all den
unvollendeten Kram
mit einer Handbewegung
zusammenfegst
und im Papierkorb versenkst,
um danach eines
dieser Lieder
zu schreiben,
die von Überfluss handeln,
Wehmut und Verlassenheit.

© Elke Bräunling

Nur wer selbst denkt

Nur wer selbst denkt *
Zeitkritisches Gedicht

Glaube nicht, was andre denken.
Höre, was dein Herz dir sagt.
Ihm kannst du Vertrauen schenken,
weil es dich nicht hinterfragt.

Mach dir eigene Gedanken.
Gib den Dingen deine Sicht.
Fremde Worte, Lügen, Schranken
helfen dir beim Denken nicht.

Prüfe gut, was andere sagen.
Was nicht in dein Weltbild passt,
muss im Kopfe dich nicht plagen,
es ist unnötig und Last.

Nur wer selbst denkt, der ist ehrlich
zu sich selbst, zu seiner Welt.
Echte Denker sind noch spärlich,
doch das Feld ist wohl bestellt …

… und es werden immer mehr.

© Elke Bräunling

Reden mit Samthandschuhen

Reden mit Samthandschuhen *
Gedicht mit Zeitkritik –

Meine Zunge trägt einen Handschuh aus Samt
in den schillernden Farben meiner Gedanken,
die so lebhaft sind und dennoch gebannt
hinter undurchdringbaren Schranken.

Eine Schweigebarriere für viele Worte,
die nun für immer vielleicht ungesagt.
Versunken, verloren auch all jene Orte,
an denen man sich nicht mehr zu äußern wagt.

Ich fühle mich einsam selbst unter Freunden.
Es ist wie ein Sprint auf löchrigem Eis,
ein haltloses Fliehen in zynische Pointen.
Der Rückzug in Einsamkeit ist der Preis.

All das Ungesagte schlägt Saltos in mir,
verstopft meine Seele und martert den Geist.
Ich spüre, im Innern zerreißt es mich schier,
dies Ohnmachtsgefühl, das Unfreiheit heißt.

© Elke Bräunling