Kategorie: Gedicht Leben

Poetenalltag

Poetenalltag *
Gedicht zur Kreativität –

Von Wortfetzen,
verlorenen Reimen,
Fragmenten, Ideen,
und ungeschriebenen
Geschichten
erschlagen
sitzt du vor mir
und weinst,
bevor du all den
unvollendeten Kram
mit einer Handbewegung
zusammenfegst
und im Papierkorb versenkst,
um danach eines
dieser Lieder
zu schreiben,
die von Überfluss handeln,
Wehmut und Verlassenheit.

© Elke Bräunling

Nur wer selbst denkt

Nur wer selbst denkt *
Zeitkritisches Gedicht

Glaube nicht, was andre denken.
Höre, was dein Herz dir sagt.
Ihm kannst du Vertrauen schenken,
weil es dich nicht hinterfragt.

Mach dir eigene Gedanken.
Gib den Dingen deine Sicht.
Fremde Worte, Lügen, Schranken
helfen dir beim Denken nicht.

Prüfe gut, was andere sagen.
Was nicht in dein Weltbild passt,
muss im Kopfe dich nicht plagen,
es ist unnötig und Last.

Nur wer selbst denkt, der ist ehrlich
zu sich selbst, zu seiner Welt.
Echte Denker sind noch spärlich,
doch das Feld ist wohl bestellt …

… und es werden immer mehr.

© Elke Bräunling

Reden mit Samthandschuhen

Reden mit Samthandschuhen *
Gedicht mit Zeitkritik –

Meine Zunge trägt einen Handschuh aus Samt
in den schillernden Farben meiner Gedanken,
die so lebhaft sind und dennoch gebannt
hinter undurchdringbaren Schranken.

Eine Schweigebarriere für viele Worte,
die nun für immer vielleicht ungesagt.
Versunken, verloren auch all jene Orte,
an denen man sich nicht mehr zu äußern wagt.

Ich fühle mich einsam selbst unter Freunden.
Es ist wie ein Sprint auf löchrigem Eis,
ein haltloses Fliehen in zynische Pointen.
Der Rückzug in Einsamkeit ist der Preis.

All das Ungesagte schlägt Saltos in mir,
verstopft meine Seele und martert den Geist.
Ich spüre, im Innern zerreißt es mich schier,
dies Ohnmachtsgefühl, das Unfreiheit heißt.

© Elke Bräunling

Himmelsglück 2024

Himmelsglück 2024 *
Kleines Gedicht zum blauen Himmel

Staunend der Blick in den Morgenhimmel.
Ein schimmerndes Blau und kein Streifengewimmel.
Nur silberblau, ein bisschen auch violett,
ein paar Federwölkchen, nett und adrett.
Verschwunden das Falsche, der Schmutz und das Grau.
„Versprochen!“, raunt leise er. „Ich bleib heut blau.“
Mein Herz pocht schneller, mein Wunsch ist erfüllt.
Er ist nicht mit künstlichen Schleiern vermüllt
und so manch einer staunt heute: „Wie wahr! Oh, wie wahr!
Dies Himmelblau hatten wir selten im Jahr.“
Und so freut man bescheiden sich ein kleines Stück
für dieses Wunder, dies Himmelsglück.

© Elke Bräunling

Herbstzeitlose

Herbstzeitlose *
Gedicht zum Herbstanfang –

Zartes Flimmern lila-blass,
bescheiden klein im welken Gras,
duckt sich auf Wiesen dieser Tage,
die Herbstzeitlose, diese karge
kleine Blume, die uns kündet,
dass das Jahr im Herbst nun mündet.
Man erschrickt, wenn man sie sieht,
weil mit ihr auch die Wehmut blüht,
gepaart mit Sommerabschiedsschmerz,
ein lachend’ und ein weinend’ Herz.

© Elke Bräunling


 

Genervt

Genervt *

Sie sirren und summen,
sie surren und brummen
und piesacken stur meinen Geist.
Sie bohren und plagen
oft an vielen Tagen
und malträtieren mich dreist.
Wie Fliegen, all diese unsel’gen Gedanken,
die mich umkreisen mit gierigen Pranken,
ich höre verzweifelt selber mir zu –
und dann, auf einmal, ist wieder Ruh.

© Elke Bräunling

#juniverse2024 – 29. Juni – piesacken

 

Wie ein Kind

Wie ein Kind *

Mit dieser bunten Zuckerstange
liebäugele ich nun schon lange.
Ich begehre sie so sehr,
auf sie verzichten fällt mir schwer.
Doch heute, ja, was ist das nur?
Ich breche grade meinen Schwur
und kaufe diese Zuckerstange.
Es ist mir nun auch nicht mehr bange,
dass es heißt: „Die Alte spinnt!
Die steht da und schleckt wie ein Kind!“

© Elke Bräunling

#juniverse2024 – 25. Juni – liebäugeln

Nur ein Traum

Nur ein Traum *

Ich träum, ein alter Labersack
spielt mir einen Schabernack.
Er macht mir weis, es gäbe Streit
und Krieg jetzt in der Friedenszeit.
Ich wache auf, mein Herz klopft wild,
in meinem Kopf wächst schnell ein Bild
von Blut und Elend, Not und Tod
in Qualm umhüllt in einem Schlot.
Es löst sich auf, ich sehe klar,
bin froh, dass es ein Traum nur war.
Wie dumm auch, Krieg in unsrer Zeit?
Kein Mensch wär dazu doch bereit…?

© Elke Bräunling

#juniverse2024 – 22. Juni – Schabernack

Wandertag

Wandertag *

Der Weg ist steil und er ist weit
und kostet mich viel Kraft und Zeit
bergauf bergab durch Berg und Tal,
für Sofamenschen eine Qual.
Und wie ein Dampfross pruste ich
den Wanderfreunden hinterher.
Ich fühle mich sehr jämmerlich
und fehl am Platze immer mehr.
Beim nächsten Male, fällt mir ein,
sag ich zu Wandertagen „Nein!“

© Elke Bräunling

#juniverse2024 – 21. Juni – Dampfross

Firlefanz

Firlefanz *
Kindergedicht

Er prangt im Gold- und Silberglanz,
der Marktstand voller Firlefanz.
Wie sehr er funkelt, glitzert, strahlt!
Man könnte meinen, dass er prahlt
mit all dem Krempelkram und Tand
im kunterbunten Flohmarktland.
Hast du ihn auch schon mal gesehn?
Besuch ihn, bei ihm träumt’s sich schön.

© Elke Bräunling

#juniverse2024 – 18. Juni –   Firlefanz

Abschiedsschmerz

Abschiedsschmerz *

Ich bin noch lange nicht bereit
zum Abschied von der schönen Zeit,
die es für mich gegeben hat,
mit dir, du wundervolle Stadt.
Mir dünkt, an eine Wiederkehr
schon bald, das glaube ich nicht sehr,
doch trag ich dich in meinem Herzen,
zum Trost für alle Abschiedsschmerzen.

© Elke Bräunling

#juniverse2024 – 17. Juni – dünken

Zeit mit mir

Zeit mit mir *

Blauweißer Himmel im Sonntagsgewand,
blütenumduftet das Sommerland,
sitz ich im Scheine des flirrenden Lichts
und atme, genieße und tue sonst nichts.
Mit den Gedanken gelassen im Sein
lass ich mich gern auf mich selber heut ein.
Ich koste die Zeit nur mit mir lustvoll aus
und fühle mich angekommen, zuhaus.

© Elke Bräunling

#juniverse2024 – 16. Juni – blütenumduftet