Kategorie: Gedanken

Sommertraum unterm Feigenbaum

Gedicht Unterm Feigenbaum


Sommertraum unterm Feigenbaum

Sommergedicht 

Ich saß oft unterm Feigenbaum
und träumte einen Sommertraum
von Sonne, Wärme, Blütenduft
und würzig frischer Abendluft.

Mein Traum dort unterm Feigenbaum,
ich träumt‘ ihn oft und lebt‘ ihn kaum.
Des Lebens Fülle lockte breit,
nur eines fehlte, das war Zeit.

So lief ich unterm Feigenbaum
ihm hinterher, dem Zaubertraum.
Er lag in Fesseln gut verschnürt …
… Von Freiheit hab ich nichts gespürt.

© Elke Bräunling

 

Das Säuseln der Zeit

Das Säuseln der Zeit *
Gedicht –  Kleine Zeitverschiebung –

Es säuselt leis, als hätt die Zeit
sich heimlich aus dem Staub gemacht.
Als hätt der Blick, so fern, so weit,
ein neues Bild sich grad erdacht.

Ringsum ist’s still. Kein Mensch, kein Plan.
Der Wind schweigt. Nichts bewegt sich sacht.
Der Wald hält kurz den Atem an,
als wäre er neu aufgewacht.

© Elke Bräunling

#juniverse2015 – Säuseln

Waldohreule

Waldohreule *
Betrachtung zu einer besonderen ‚Königin‘ –

Die Waldohreule.
Sie fliegt nicht.
Sie erscheint.
Ein Gedanke aus Federn.
Kein Geräusch.
Kein Licht.
Nur Blick.
Und Schweigen,
das mehr sagt als vieles, was gesprochen wird
in der Lücke zwischen Tag und Nacht.
Sie braucht keine Likes.
Keinen Applaus.
Kein Publikum.
Man nennt sie Eule
und mit Ehrfurcht:
‚Stille Königin der Dämmerung‘.

© Elke Bräunling

#juniverse2025 – Waldohreule

 

Ein schattiges Plätzchen

Ein schattiges Plätzchen *
Gedicht – Licht und Schatten –

Man sitzt im Schatten nicht versteckt.
Nur etwas fern vom Rampenlicht
bleibt man dort meist auch kaum entdeckt.
Wer Ruhe sucht, den stört das nicht.

Sanft weht der Wind durchs dichte Laub,
ein Zweig zuckt leis, ein Käfer brummt
und in der Luft tanzt Pollenstaub.
Die laute Welt ringsum verstummt.

Der Schatten fragt nicht, nimmt uns her
in seine Arme, ganz diskret.
Und wer dort sitzt, begreift oft mehr
als das, was laut durchs Leben weht.

© Elke Bräunling

#Juniverse2025 – schattig

Die Borke


 Illustration Birke auf verträumter Wiese, Ein Herz in der Borke

Die Borke 
Gedicht von der Beständigkeit

Die Borke platzt. Der Baum bleibt stumm.
Er trägt sein Alter wie ein Kleid.
Der Mensch geht weiter, blind und krumm
und ahnt nichts von Beständigkeit.

Sie knackt auch gerne mal bei Frost
und spricht in Tönen, die man hört,
wenn man beim Wandern, ganz bei sich,
den Alltag aus dem Kopfe kehrt.

So steht der Baum. Und schweigt. Und steht.
Er weiß: Die Welt vergeht nicht schnell.
Die Borke aber trägt er stet,
ein bisschen rau im harten Fell.

Ein Mensch, zum ersten Mal verliebt,
ritzt Herz und Namen in ihr Kleid.
Der Baum, der leise weiter wächst,
vergisst den Schmerz. Und hat noch Zeit.

© Elke Bräunling

#juniverse2025 – Borke


Und hier wird die Borke musikalisch. Danke, Balz, für dieses zauberhafte Lied

Von Elke Bräunling (Text) und Balz Burch (Musik)

 

Illustration Birke auf verträumter Wiese, Ein Herz in der Borke, Gedicht Text

Blautannengrün

Blautannengrün *
Gedicht – Im Nadelwald –

Blautannengrün. Ein Schatten, der atmet,
wie Tinte im Moos, die das Schweigen beschreibt.
Es riecht nach der Nacht, nach Vergessen und Harz.
Man sieht es kaum und weiß doch: Es bleibt.

© Elke Bräunling


#juniverse2025 – Blautannengrün

Nadelteppich

Nadelteppich *
Gedicht – Unterwegs auf leisen Sohlen –

Der Wald legt still zu meinen Füßen
zum Gruß den Teppich, weich und fein.
Kein Muster, keine bunten Fransen,
nur Tannennadeln, braun und klein.

Ich geh darauf wie auf Gedanken,
die man nicht laut zu denken wagt.
Es knistert zart unter den Schritten,
als spräch er mit mir – ungefragt.

Der Weg ist sanft. Die Welt wird leiser.
Der Atem geht im Tannenduft.
Ich denk: Der Mensch, der braucht nicht viel.
Nur Schuhe. Und ein bisschen Luft.

Ich weiß nicht, wohin ich heut gehe,
doch was ich such, ist nicht versteckt.
Bisweilen liegt das Glück am Boden
und wartet still, bis man’s entdeckt.

© Elke Bräunling

#juniverse 2025 – Nadelteppich

Gedanken beim Wandern

Gedanken beim Wandern *
Kleines Waldgedicht mit einem Augenzwinkern –

Ein Eichhorn rennt. Ich bleib kurz stehn.
Es ist sehr flink. Ich nicht. Na schön.
Man denkt beim Gehn – und denkt sich frei
und merkt: Der Welt ist`s einerlei.
Ich tret auf Wurzeln, nicht auf Sorgen,
und schieb mein Grübeln auf bis morgen.
Die Bäume stehn, wie’s Bäume tun,
und ich darf gern dazwischen ruhn.
Der Weg ist steil. Der Himmel blau.
Ich denk an nichts. Und das genau.

© Elke Bräunling

#juniverse2025 – Wandern

Silvesternacht

Silvesternacht *
Gedicht zum Jahreswechsel –

Hallo du!
Mit Getöse bist du gekommen
und hast meine Gedanken mitgenommen
ins Neue,
das dem Alten gleicht.

Feuerfunken im Himmel
und Polizeitütatü,
Städte versinken im Rauch,
Menschengewimmel,
So bunt und so fremd wie noch nie
und Flattern im Bauch.

Hallo du!
Was wirst du uns mitgebracht haben?
Ein Hoffen, ein Winken, ein Darben
im Neuen,
das bald uns erreicht?

© Elke Bräunling

Bestandsaufnahme Oktober

Bestandsaufnahme Oktober *
Gedicht – Herbstgedanken mit einem Augenzwinkern –

Mit großen Schritten eilt das Jahr
so bald schon seinem Ende zu.
Man nimmt die Tage kaum noch wahr,
die Zeit, sie lässt nur wenig Ruh’.
Nun ist Oktober. Abschiedszeit
von Sommerdraußenleichtigkeit.
Die Türen zu, die Öfen glühn,
statt Blumen Schniefnasen, die blühn
und alles ist ganz anders nun.
Und eigentlich wär’s Zeit zum Ruhn.

© Elke Bräunling

Nur wer selbst denkt

Nur wer selbst denkt *
Zeitkritisches Gedicht

Glaube nicht, was andre denken.
Höre, was dein Herz dir sagt.
Ihm kannst du Vertrauen schenken,
weil es dich nicht hinterfragt.

Mach dir eigene Gedanken.
Gib den Dingen deine Sicht.
Fremde Worte, Lügen, Schranken
helfen dir beim Denken nicht.

Prüfe gut, was andere sagen.
Was nicht in dein Weltbild passt,
muss im Kopfe dich nicht plagen,
es ist unnötig und Last.

Nur wer selbst denkt, der ist ehrlich
zu sich selbst, zu seiner Welt.
Echte Denker sind noch spärlich,
doch das Feld ist wohl bestellt …

… und es werden immer mehr.

© Elke Bräunling

Was, wenn Ängste sprechen?


Was, wenn Ängste sprechen? *
Gedicht und Song zu Fragen der Zeit –

Was, wenn das Wörtchen ‚wenn‘ nicht wär
und wir vertrauen könnten,
auf dass wir uns bedenkenlos
ein freies Leben gönnten?
Stellt man sich diese Frage noch
in ignoranten Zeiten,
in denen Menschen überall
sich uneins sind und streiten?

Was, wenn es Positionen gibt,
die Menschen trennen, spalten,
was Freunde so zu Feinden macht,
die nichts von Frieden halten?
Und was, wenn Fanatismus siegt
im Kampf um Menschenseelen,
wenn starrer Wahn Vernunft bekriegt
und Irre Leben stehlen?

Was, wenn es Soldaten sind,
die unsre Städte fluten
und wir für unsre Menschlichkeit
noch eines Tages bluten?
Was, wenn sie durch die Dörfer ziehn,
zu rauben und zu töten,
und keiner da ist, der uns hilft,
so schutzlos und in Nöten?

Was, wenn alles Lüge ist,
was sie uns stets erzählen,
damit wir weiter treu und brav
sie immer wieder wählen?
Doch was, wenn wir das Wörtchen „Nein“
verwenden und laut sagen,
dass wir dies üble Spiel verstehn
und uns zu wehren wagen?

Und wenn die Revolution sie frisst
und jagt dann eines Tages,
was stellt man dann am besten an
mit Menschen ihres Schlages?
An Fensterkreuze hängen, so wie’s
die Propheten künden,
auf dass sie büßen bis zum Tod,
für alle ihre Sünden?

© Elke Bräunling

Und hier eine großartige Vertonung von Balz Burch

(Text von Elke Bräunling und Musik von Balz Burch)

Nur ein Traum

Nur ein Traum *

Ich träum, ein alter Labersack
spielt mir einen Schabernack.
Er macht mir weis, es gäbe Streit
und Krieg jetzt in der Friedenszeit.
Ich wache auf, mein Herz klopft wild,
in meinem Kopf wächst schnell ein Bild
von Blut und Elend, Not und Tod
in Qualm umhüllt in einem Schlot.
Es löst sich auf, ich sehe klar,
bin froh, dass es ein Traum nur war.
Wie dumm auch, Krieg in unsrer Zeit?
Kein Mensch wär dazu doch bereit…?

© Elke Bräunling

#juniverse2024 – 22. Juni – Schabernack