Lauscht, man hört ihn schon von weit,
den König ohne Königskleid,
der klein ist und doch singen kann
wie ein ganz Großer. Hört’s euch an!
Die Amsel staunt, der Fink horcht still,
der König singt laut, wie er will.
Man muss nicht groß sein, aber laut,
wenn man als Kleiner sich das traut.
Ein besonderer Ort * Kleine Poesie auf der Waldlichtung –
Die kleine Lichtung, der besondere Ort,
umgeben von Bäumen, die schweigend hier stehn
wie höfliche Nachbarn, die ohne ein Wort
dich aufnehmen in den Zirkel der Feen
zum Verweilen, zum Träumen, zum Stelldichein,
um mit deiner Liebsten allein hier zu sein.
Die Grashalme flüstern nur ein bisschen zu laut,
wenn man verstohlen sich küssen will,
Lichtflimmer verirren sich wirr auf der Haut
und irgendwie riecht es nach Sonntagsidyll.
Ein kleines Glück, das der Augenblick schreibt.
Es reicht für ein Lächeln, das flüchtig nur bleibt.
Die Sprache des Waldes * Gedicht vom Rascheln und den Geräuschen im Wald –
Wenn’s ringsum raschelt, knackt im Wald
und wenn ein Knistern leise hallt,
wenn’s flüstert unter jedem Baum,
so ist das mehr als nur ein Traum.
Dann bleibe stehn und lausche still,
was dir der Wald erzählen will
von einer ganz besondr’en Welt,
verborgen unterm Blätterzelt:
Ein Hase huscht. Ein Füchslein schnaubt.
Ein Blatt beschwert sich, weil’s verstaubt.
Der Wind pfeift Lieder im Geäst,
was Blätter heimlich tanzen lässt.
Die Bäume schäkern wie verliebt,
und aus dem Nest ein Vöglein fiept.
Da raschelt’s wieder und ein Reh
nascht gierig rasch ein bisschen Klee.
Ein Rauschen hier, ein Flüstern da,
mal aus der Ferne, mal ganz nah,
und wer des Waldes Sprache spürt,
bleibt lange still und tief berührt.
Unterwegs im Wald auf Touren
siehst du überall die Spuren
auf dem Boden, zahllos schier,
Abdrücke von Mensch und Tier.
Viele große, kleine Füße
bleiben hier fast so wie Grüße
mit der Botschaft: „Hier war ich –
und vielleicht treff´ ich auch dich!“
Ein Traum zieht durch die Wipfel * Gedicht von Waldeszauber in der Nacht –
Überm dunklen Tannenwipfel
leuchtete ein kleiner Zipfel,
Licht vom Mond wie ein Gesicht –
und gleich schrieb jemand ein Gedicht
vom Waldeszauber in der Nacht,
der sanft die Waldwelt schläfrig macht
und die Geschichte all’n erzählt
vom Zipfel, der dem Mond nun fehlt.
Ein Kind hört heimlich zu und spricht:
„Es stimmt. Dem Mond, dem fehlt ein Licht,
und das schmückt nun den Tannenbaum.
Vielleicht ist es auch nur ein Traum.“
So grau der Himmel, so schwer das Licht,
doch euer Strahlen verlöscht heute nicht.
Ihr leuchtet wie Sterne in stiller Nacht,
ein Funkeln, das leicht uns im Herzen macht.
Wir spüren euch in der tiefsten Ruh.
Eure Nähe gibt uns die Kraft dazu.
Ein Flüstern, das trägt, so sanft und so klar
für diesen Tag, der den Seelen so nah.
Balz Burch hat zu diesem Gedicht ein wunderschönes Lied komponiert und eingespielt. Mit diesem Lied hat er sich bei mir vorgestellt, nachdem er das Gedicht hier im Blog entdeckt hatte. Es war ein Glückstag – und seither arbeiten wir zusammen. Danke, Balz!
Alles ist Kunst. Täglich. ART-täglich
Unser ganzes Leben findet Platz in der Kunst – und hier im Blog in Gedichten der unterschiedlichsten Art.
Ich wünsche dir viel Freude damit! ❤
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