Kategorie: Fantasie

Treffen mit Mascha


 Illustration 2 Damen im Kaffeehaus vor Kuchen, eine von ihnen schreibt in ein Buch

Treffen mit Mascha
Gedicht von einem unerfüllten Traum

Ich sitze mit Mascha vergnügt im Café
vor Erdbeerkuchen und Pfefferminztee.
Wir sind beschwingt, unsre Blicke spaziern
zu Menschen, die an uns vorüber flaniern.

„Sie tragen Geschichten in ihrem Gesicht“,
sagt Mascha, „und glauben, wir sähen es nicht.“
Mit schnellen Strichen schreibt sie auf Papier
Worte in Reimen mit großem Plaisir.

Das Fabulieren wird bei ihr zum Spiel.
Sie sagt mit wenigen Worten so viel,
was sonst verschwiegen und meist ungesagt
in Kehlen verborgen an Seelen nagt.

Ich staune und schaue ihr zu wie gebannt.
Ein Funke springt über. Ich hab mich verbrannt
und tief in mir wächst immens die Begier:
Schreiben wie Mascha, das wünschte ich mir.

Könnt einmal nur fliegen ich in ihre Zeit
zu Kuchen und Tee und zum Schreiben zu zweit. …
Den Optimismus find ich nur im Traum
auf meinen Reisen durch Zeiten und Raum.

© Elke Bräunling

„Könnt einmal nur fliegen ich in ihre Zeit …“
Ja, dann würde ich hundert Jahre zurück in Berlin im Romanischen Café sitzen bei den „Nichtschwimmern“ und in den Nebenraum zu den „Schwimmern“, den gestandenen Künstlern und Autoren – und mittendrin Mascha Kaléko -, linsen. Daraufhin fiebern würde ich, auch einmal nur dort bei all diesen wunderbaren Künstlern und Autoren sitzen und sie kennenlernen zu können, nicht nur ihre Bücher und ihre Kunst. Und mein lieber, lieber Knurrbär Erich Kästner wäre auch da. Ach ja …
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Blaue Stunde


Blaue Stunde
Betrachtung am Morgen

Heute Morgen wollte sich die Blaue Stunde so gar nicht von der Bühne verabschieden.
Sie flirtete noch ein Weilchen mit der Sonne, die sich ihren Aufgang durch den sommerlichen Frühnebel schwer erkämpfen musste, und reichte ihr die Hand.
Ich glaube, sie wollte mit ihr und dem beginnenden Tag ein wenig spielen.
Mit einem Lächeln habe ich den Beiden zugeschaut …
und obwohl das Waldleben in diesem Augenblick mucksmäuschenstill verharrte, war mir, als schauten unzählig viele Augen diesem Spiel zu.
Wie ein Raunen ging es durch den Wald, über die Baumwipfel bis hoch in die Lüfte, als sich die Blaue Stunde schließlich zurückzog und der Sonne ihren Platz am Himmel einräumte.
Ein Raunen aus Abertausend und mehr klitzekleiner Stimmchen.
Meine Stimme war eine davon.
© Elke Bräunling

Illustration Stimmung im Wald während der blauen Stunde

Drachentod


Drachentod
Gedicht und Song vom Ende der Angst

Vor langer Zeit, da lagen Schatten
kalt und düster überm Land,
als die Menschen mit den satten
Drachensöhnen Zwiste hatten
und es sich kein Ausweg fand.

Der Drache saß fett auf den Schätzen
voller Gier blind auf dem Thron,
ließ die Völker sich verhetzen,
hielt sie fest in seinen Netzen
für die Macht als seinen Lohn.

Die Menschen, die darunter litten,
duckten sich und hielten still,
konnten nicht um Frieden bitten,
nicht um Gnade, doch sie stritten
nun auch miteinander viel.

Als es der Drache überspannte
einmal dann zu weit vor Gier,
fauchend durch die Städte rannte
und das Land wie Zunder brannte,
schien das End’ gekommen schier.

Die große Stille war gekommen.
Demütig, wer übrig blieb.
Drachenblut verlöscht, zerronnen
endete in Aschetonnen,
wie es die Geschichte schrieb.

Bridge
Kein Getöse. Kein Triumphgeschrei
Nur ein Feld. Ein leiser Wind.
Dunkle Zeiten sind vorbei.
Der Mensch steht da, von Ängsten frei
und arglos wie ein kleines Kind.

Refrain
Zeiten des Drachen.
Dunkelheit. Schmerz.
Kein Ausweg. Kein Licht.
Kein Hoffen! Kein Herz!
Ein Schrei im Finstern
und drei Tage zum Licht,
bis die Welt wieder atmet
und das Licht …

bleibt.

© Elke Bräunling

Der Song dazu – wundervoll und atmosphärisch – von Balz Burch komponiert

(Text: Elke Bräunling Musik: Balz Burch)

 

Illustration Vögelchen auf Ast vor einer leeren weiten Ebene, am Horizont geht die Sonne auf

Juniverse 2026

Juniverse 2026

Illustration Spiegel mit Männergesicht, angedeutet am RAnd in Teilen Monstergesichtchen, Flügel, Schwanz etc.

Zyklop
Der Zyklop
sieht alles.
Leider nur
von einer Seite.

Minotaurus
Jeder Mensch
besitzt ein Labyrinth.
Die Frage ist nur,
wer darin wohnt.

Werwolf
Werwölfe sind Menschen,
die ihre Schattenseite vergessen haben,
bis sie plötzlich vor ihnen steht.

Zentaur
Zentauren sind Menschen, die lernen,
mit ihren Widersprüchen zu leben,
und das ist vermutlich schwieriger
als Drachen zu besiegen.

Waldschrat
Waldschrate sprechen selten.
Dafür hören sie gut zu.
Sie sind Leute, die einen Baum
beim Vornamen nennen.

Faun
Faune sind Menschen,
die noch staunen können.
Auch sie werden erwachsen,
doch sie geben das Kind nicht zurück. Weiterlesen

Die Stille im Wald

Die Stille im Wald *
Gedicht vom Wald, der doch viel zu sagen hat –

Die Bäume reden nicht mit mir.
Ein Glück! Ich hätt nicht viel zu sagen.
Ich such nur Stille, Ruhe hier
im Wald und habe keine Fragen.

Ich höre nichts und doch so viel
und spür, ich kann mich wiederfinden,
beschützt vom zarten Blätterspiel
im Baumgezweig der alten Linden.

Ein Käfer brummt. Ein Ast zerbricht.
Ein Eichhorn tanzt über die Zweige,
wirft putzig Schatten vor das Licht.
Ich schaue, lächle still und schweige.

Die Stille hier, sie tut nicht weh.
Sie ist nicht leer, nur höflich,
und zeigt mir, was ich sonst nie seh,
ganz ungefragt und klar – und tröstlich.

© Elke Bräunling

#juniverse2025 – still

Wenn’s draußen neblig ist und kalt

Wenn’s draußen neblig ist und kalt *
Traumreisegedicht für Kinder –

Wenn ich nicht draußen spielen kann,
hör ich mir ’ne Geschichte an
bei Onkel Hans im Nachbarhaus.
Der kennt sich mit Geschichten aus.

Wir fliegen einmal auf den Mond,
denn der ist gar nicht unbewohnt.
Die Mondolonen leben dort.
Sie lassen uns fast nicht mehr fort.

Ein andermal, da reisen wir
zu Wüstenscheich Ben Dschurimir.
Der lädt zum Wüstenmahl uns ein
zu Löwenspeck und Palmenwein.

Im Urwald finden wir sodann
den letzten Urwaldzaubermann.
Der zaubert für uns -eins, zwei, drei-
ein Urwaldomobil herbei.

Und dieses Ding bringt uns ganz schnell
zu einer Wunderzauberquell,
die jedem einen Wunsch gewährt,
der mutig ist und sich bewährt.

Wir sind voll Mut, drum wünschen wir
uns einen Flug auf ´nem Klavier
mit Melodien um die Welt
überallhin, wo´s uns gefällt.

Wir schweben singend übers Meer
nach Ost und West und kreuz und quer,
und manchmal bleiben wir auch stehn,
denn es gibt ja so viel zu sehn.

Am Nordpol halten wir dann an
und treffen dort Frau Holle dann.
Und die nimmt uns auf ihrem Ritt
durch Schnee und Eis nach Hause mit.

So ist mir das Geschichtenland
dank Onkel Hans schon gut bekannt,
und ich besuch ihn wieder bald,
wenn´s draußen neblig ist und kalt.

© Elke Bräunling