Kategorie: Gefühle

Die Borke


 Illustration Birke auf verträumter Wiese, Ein Herz in der Borke

Die Borke 
Gedicht von der Beständigkeit

Die Borke platzt. Der Baum bleibt stumm.
Er trägt sein Alter wie ein Kleid.
Der Mensch geht weiter, blind und krumm
und ahnt nichts von Beständigkeit.

Sie knackt auch gerne mal bei Frost
und spricht in Tönen, die man hört,
wenn man beim Wandern, ganz bei sich,
den Alltag aus dem Kopfe kehrt.

So steht der Baum. Und schweigt. Und steht.
Er weiß: Die Welt vergeht nicht schnell.
Die Borke aber trägt er stet,
ein bisschen rau im harten Fell.

Ein Mensch, zum ersten Mal verliebt,
ritzt Herz und Namen in ihr Kleid.
Der Baum, der leise weiter wächst,
vergisst den Schmerz. Und hat noch Zeit.

© Elke Bräunling

#juniverse2025 – Borke


Und hier wird die Borke musikalisch. Danke, Balz, für dieses zauberhafte Lied

Von Elke Bräunling (Text) und Balz Burch (Musik)

 

Illustration Birke auf verträumter Wiese, Ein Herz in der Borke, Gedicht Text

Nadelteppich

Nadelteppich *
Gedicht – Unterwegs auf leisen Sohlen –

Der Wald legt still zu meinen Füßen
zum Gruß den Teppich, weich und fein.
Kein Muster, keine bunten Fransen,
nur Tannennadeln, braun und klein.

Ich geh darauf wie auf Gedanken,
die man nicht laut zu denken wagt.
Es knistert zart unter den Schritten,
als spräch er mit mir – ungefragt.

Der Weg ist sanft. Die Welt wird leiser.
Der Atem geht im Tannenduft.
Ich denk: Der Mensch, der braucht nicht viel.
Nur Schuhe. Und ein bisschen Luft.

Ich weiß nicht, wohin ich heut gehe,
doch was ich such, ist nicht versteckt.
Bisweilen liegt das Glück am Boden
und wartet still, bis man’s entdeckt.

© Elke Bräunling

#juniverse 2025 – Nadelteppich

Die Stille im Wald

Die Stille im Wald *
Gedicht vom Wald, der doch viel zu sagen hat –

Die Bäume reden nicht mit mir.
Ein Glück! Ich hätt nicht viel zu sagen.
Ich such nur Stille, Ruhe hier
im Wald und habe keine Fragen.

Ich höre nichts und doch so viel
und spür, ich kann mich wiederfinden,
beschützt vom zarten Blätterspiel
im Baumgezweig der alten Linden.

Ein Käfer brummt. Ein Ast zerbricht.
Ein Eichhorn tanzt über die Zweige,
wirft putzig Schatten vor das Licht.
Ich schaue, lächle still und schweige.

Die Stille hier, sie tut nicht weh.
Sie ist nicht leer, nur höflich,
und zeigt mir, was ich sonst nie seh,
ganz ungefragt und klar – und tröstlich.

© Elke Bräunling

#juniverse2025 – still

Glaub bloß nicht, dass ich traurig bin


Illustration Frau sitzt am Fenster und blickt in den Himmel zu den Sternen hinauf

Glaub bloß nicht, dass ich traurig bin
Gedicht Gefühle

Ich mag nichts sehn und hörn und riechen.
Nicht heut. Ich fühle mich allein.
Am liebsten möcht ich mich verkriechen
und nur mit mir zusammen sein.

Ich lausche meiner Herzensstimme,
die mir so viel von uns erzählt.
Ein Echolot für meine Sinne,
das sucht, was mir gerade fehlt.

Wärst du jetzt da, würdest du lachen,
ein Grübchen tanzt’ in deinem Kinn.
Wir flögen auf dem Sternendrachen
zu unsren Galaxien hin.

Doch unsre Zeiten sind begraben.
Für Träumereien fehlt der Sinn.
Mein Leben malt nun andre Farben.
Glaub bloß nicht, dass ich traurig bin.

© Elke Bräunling

.
Balz Burch hat dieses Gedicht für euch vertont
❤️

(Text: Elke Bräunling Musik: Balz Burch)

Übervoll im Kopf

Übervoll im Kopf *
Gedicht Gefühlswelt (Zeitkritik) –

Ich bin so übervoll im Kopf
mit Worten und Gedanken,
allein die inn’re Stimme hält
beim Reden mich in Schranken.

Ich fresse viel in mich hinein
und will’s doch gern erzählen,
doch wär es bar jeder Vernunft
und würde uns nur quälen.

Die Übermacht ist viel zu groß
derer, die anders denken,
und die mir, teilte ich mich mit,
nur Spott, Verachtung schenken.

Die Zeit für Wahrheit ist nicht reif,
noch gilt’s zu schweigen, hoffen,
bis auch der Letzte aufgewacht,
der Ausgang, der bleibt offen.

Ich bin so übervoll im Kopf
und möchte nur laut schreien,
denn all das Ungesagte drängt
heraus, mich zu befreien.

© Elke Bräunling

 

Jeder ist mal ‚Nadsi‘

Jeder ist mal ‚Nadsi‘ *
Gedicht – Zeitkritik mit einem Augenzwinkern –

Ich bin ein Mensch,
der andern hilft
und sich an deren Freude freut.
Zum Danke nun
nennt mancher mich
verachtungsvoll schlicht „Nadsi“ heut.

Ich bin ein Mensch,
der Menschen liebt
und ihnen sehr viel von sich gibt.
Die Heimat lieben
darf ich nicht,
weil man mich sonst nach „Räächts“ hin schiebt.

Ich bin ein Mensch,
der schwer genervt
vor Propaganda Reißaus nimmt.
Ob links, ob rechts,
ihr könnt mich mal!
Was ist es, das mit euch nicht stimmt?

© Elke Bräunling

Abgesang

Abgesang *
Gedicht zum Ende des Winters – 

Der Winter klebt wie Kaugummi
mir zäh auf dem Gemüt.
Die Kälte schlägt mir ins Gesicht,
mein Körper bebt und glüht.
So quäl’ ich mich durch diese Zeit
und hoffe, dass er bald
das Weite sucht, ich bin’s so leid
und mir ist’s nur noch kalt. …
Was mich daran am meisten stört?
Dass er mein Jammern nicht erhört.

© Elke Bräunling

Das Licht ist da

Das Licht ist da *
Gedicht zu Lichtmess –

Das Licht ist da.
Es trägt gold’ne Tupfer
auf seinem Gewand
und streicht
sanft und zärtlich
uns über’s Gesicht.

Das Licht ist da.
Es streift durch die Stunden,
sein schimmernder Schein
küsst uns
die wintermüde
Seelen zärtlich wach.

Das Licht ist da.
Ich öffne die Arme
und strahle vor Glück
nun auch,
und so lächeln wir
zum Gruße uns zu.

© Elke Bräunling

Kleine Seele, weine

Kleine Seele, weine *
Kleines Trostgedicht für Kinder –

Kleine Seele, weine.
Du bist nicht alleine.
Der Mond, er hört dir zu,
die Sonne, Wolken, Sterne,
sie alle spenden gerne
dir neue Seelenruh.
Kleine Seele, lache,
du darfst auch fröhlich sein.
Lieben darfst du, kuscheln, lachen.
Träum dir einen Zauberdrachen,
der an deiner Seite weilt
und dir deinen Kummer heilt.

© Elke Bräunling

Frühling im Mandelbaum

Frühling im Mandelbaum *
Gedicht Sehnsucht und Vorfreude –

Im Garten ruht der Mandelbaum
noch tief in seinem Wintertraum.
Er träumt von Licht und Morgentau
und Frühlingsfarben, grün und blau.

Die Zweige sind noch kahl und matt,
doch erste Knospen für ein Blatt
sind groß gewachsen, weich und zart.
Ein Zeichen: Frühling ist am Start.

Nun dauert es nicht mehr sehr lang
und es macht leise ‚pling‘ und ‚plang‘,
die Blütenknospen springen auf
in weiß-rosé im Baum zuhauf.

Wie eine Braut steht er nun da,
der Mandelbaum, so wunderbar.
Er lockt mit seinem Blütenkleid
und sieht so aus, als hätt’s geschneit.

© Elke Bräunling

Novembermorgen im Wald

Novembermorgen im Wald *
Gedicht Novemberimpressionen –

Ein Morgengesicht
Und Funkeln im Tau
Ein heimliches Licht
Und Lüfte leicht rau
Der wirbelnde Wind
Die Finger ganz kalt
Ein Blatt trudelt blind
Fast kahl ist der Wald
Ein Goldschimmer hier
Ein Laubwirbel da
Spätherbstliche Zier
Nichts ist mehr wie’s war
Sanft schwebt in der Luft
Ein Hauch Endlichkeit
Der traurige Duft
Vergangener Zeit
Die Wehmut trägt grau
Das Bunt ist verspeist
Das Ende der Schau
Und die Seele vereist

© Elke Bräunling

Das lächelnde Leben


Das lächelnde Leben *
Friedensgedicht für Groß und Klein – Wenn alle mehr lächeln würden

Stell dir vor, die Menschen tragen
stets ein Lächeln im Gesicht.
Auch an Tagen voller Plagen
zeigen sie den Ärger nicht.

Dieses Lächeln kommt von Herzen
und es leuchtet strahlend hell
wie das Licht von hundert Kerzen
als der Freude höchstem Quell.

Und es wandert leise weiter
in die Welt mit sanftem Hall.
Menschen lächeln froh und heiter,
Liebe, Frieden überall.

Freundlich wäre unser Leben
voller Kraft und Schwung und Mut,
würd’s das Lächeln öfter geben,
hätten wir es richtig gut.

© Elke Bräunling

 

Ein sehr besinnliches Lied hat der liebe Balz Burch zu diesem Gedicht geschrieben. Viel Freude beim Zuhören.

(Text von Elke Bräunling und Musik von Balz Burch)

Reden mit Samthandschuhen

Reden mit Samthandschuhen *
Gedicht mit Zeitkritik –

Meine Zunge trägt einen Handschuh aus Samt
in den schillernden Farben meiner Gedanken,
die so lebhaft sind und dennoch gebannt
hinter undurchdringbaren Schranken.

Eine Schweigebarriere für viele Worte,
die nun für immer vielleicht ungesagt.
Versunken, verloren auch all jene Orte,
an denen man sich nicht mehr zu äußern wagt.

Ich fühle mich einsam selbst unter Freunden.
Es ist wie ein Sprint auf löchrigem Eis,
ein haltloses Fliehen in zynische Pointen.
Der Rückzug in Einsamkeit ist der Preis.

All das Ungesagte schlägt Saltos in mir,
verstopft meine Seele und martert den Geist.
Ich spüre, im Innern zerreißt es mich schier,
dies Ohnmachtsgefühl, das Unfreiheit heißt.

© Elke Bräunling

Wandertag

Wandertag *

Der Weg ist steil und er ist weit
und kostet mich viel Kraft und Zeit
bergauf bergab durch Berg und Tal,
für Sofamenschen eine Qual.
Und wie ein Dampfross pruste ich
den Wanderfreunden hinterher.
Ich fühle mich sehr jämmerlich
und fehl am Platze immer mehr.
Beim nächsten Male, fällt mir ein,
sag ich zu Wandertagen „Nein!“

© Elke Bräunling

#juniverse2024 – 21. Juni – Dampfross