Das Dickicht hat, wie manche Leut’,
viel Grün im Kopf. Ein Labyrinth.
Steckt man tief drin, dass man’s bereut,
fragt man verwirrt, wo Wege sind.
Man sieht nicht weit, doch hört man viel.
Ein Schnaufen hier, ein Wispern dort.
Ein falscher Schritt. Wo ist das Ziel?,
fragt man und wünscht sich ganz weit fort.
Man sucht den Ausgang und entdeckt
was völlig andres, gut versteckt.
Der Wald ist still. Die Vögel schweigen.
Nur irgendwo knackt leis ein Ast.
Ein Schatten huscht zwischen den Zweigen
ganz nah vorbei in stummer Hast.
Du gehst nicht schnell, du bist gelassen.
Ein Käuzchen ruft. Du bleibst kurz stehn
und lernst, die Ängste loszulassen,
um auch im Dunkeln klar zu sehn.
Waldohreule * Betrachtung zu einer besonderen ‚Königin‘ –
Die Waldohreule.
Sie fliegt nicht.
Sie erscheint.
Ein Gedanke aus Federn.
Kein Geräusch.
Kein Licht.
Nur Blick.
Und Schweigen,
das mehr sagt als vieles, was gesprochen wird
in der Lücke zwischen Tag und Nacht.
Sie braucht keine Likes.
Keinen Applaus.
Kein Publikum.
Man nennt sie Eule
und mit Ehrfurcht:
‚Stille Königin der Dämmerung‘.
Blautannengrün. Ein Schatten, der atmet,
wie Tinte im Moos, die das Schweigen beschreibt.
Es riecht nach der Nacht, nach Vergessen und Harz.
Man sieht es kaum und weiß doch: Es bleibt.
Tagebuch der Bäume * Kindergedicht – Jahresringe –
Die Bäume schreiben Jahr für Jahr
ein Tagebuch, ganz fein und klar
ganz ohne Tinte und Papier,
doch lesbar tief im Innern – hier:
Ein Ring pro Jahr. So wird man alt
am immergleichen Platz im Wald.
Und wer im Holz zu lesen weiß,
der sieht die Zeit in jedem Kreis.
Lauscht, man hört ihn schon von weit,
den König ohne Königskleid,
der klein ist und doch singen kann
wie ein ganz Großer. Hört’s euch an!
Die Amsel staunt, der Fink horcht still,
der König singt laut, wie er will.
Man muss nicht groß sein, aber laut,
wenn man als Kleiner sich das traut.
Ein besonderer Ort * Kleine Poesie auf der Waldlichtung –
Die kleine Lichtung, der besondere Ort,
umgeben von Bäumen, die schweigend hier stehn
wie höfliche Nachbarn, die ohne ein Wort
dich aufnehmen in den Zirkel der Feen
zum Verweilen, zum Träumen, zum Stelldichein,
um mit deiner Liebsten allein hier zu sein.
Die Grashalme flüstern nur ein bisschen zu laut,
wenn man verstohlen sich küssen will,
Lichtflimmer verirren sich wirr auf der Haut
und irgendwie riecht es nach Sonntagsidyll.
Ein kleines Glück, das der Augenblick schreibt.
Es reicht für ein Lächeln, das flüchtig nur bleibt.
Mondfest im Wald * Ein Gedicht für Kinder, die wissen, dass der Mond manchmal schmunzelt –
Der Mond gleicht einem Lampion,
den wohl ein Kind vergessen hat.
Von seinem großen Wolkenthron
strahlt er im Wald auf jedes Blatt.
Er blinzelt keck durchs Tannenzelt
und lockt die Tiere an zum Fest
mit seinem hellen Lichterschein,
der keinen heute schlafen lässt.
Schon kommt der Dachs im Walzerschritt,
das Mäuslein hüpft vor lauter Lust.
Die Eule ruft: „Jetzt tanzt doch mit!“
Der Fuchs poliert sich stolz die Brust.
Der Igel rollt sich kugelrund
und wird zum Ball. Hurra, er lacht!
Frau Wildschein tut mit Grunzen kund,
dass sie sich heute schick gemacht.
Der Frosch quäkt laut: „Jetzt tanzt das Reh!“
Und wirklich, da, es dreht sich sacht
im Glanz von Moos und Silberlicht
ein Waldballett zur Mondennacht.
Das Fest geht lang und es ist toll
und könnte ewig weitergehn.
Da sprach der Mond: „Ich fühl mich voll
Zufriedenheit, doch ich muss gehn.“
Schnell bläst er noch die Lichter aus
und zieht zum Abschied seinen Hut,
Dann kichert er und eilt hinaus
dem Tag voraus – und alles ruht.
Die Sprache des Waldes * Gedicht vom Rascheln und den Geräuschen im Wald –
Wenn’s ringsum raschelt, knackt im Wald
und wenn ein Knistern leise hallt,
wenn’s flüstert unter jedem Baum,
so ist das mehr als nur ein Traum.
Dann bleibe stehn und lausche still,
was dir der Wald erzählen will
von einer ganz besondr’en Welt,
verborgen unterm Blätterzelt:
Ein Hase huscht. Ein Füchslein schnaubt.
Ein Blatt beschwert sich, weil’s verstaubt.
Der Wind pfeift Lieder im Geäst,
was Blätter heimlich tanzen lässt.
Die Bäume schäkern wie verliebt,
und aus dem Nest ein Vöglein fiept.
Da raschelt’s wieder und ein Reh
nascht gierig rasch ein bisschen Klee.
Ein Rauschen hier, ein Flüstern da,
mal aus der Ferne, mal ganz nah,
und wer des Waldes Sprache spürt,
bleibt lange still und tief berührt.
Alles ist Kunst. Täglich. ART-täglich
Unser ganzes Leben findet Platz in der Kunst – und hier im Blog in Gedichten der unterschiedlichsten Art.
Ich wünsche dir viel Freude damit! ❤
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