Kategorie: Gedicht Zeitkritik

Reden mit Samthandschuhen

Reden mit Samthandschuhen *
Gedicht mit Zeitkritik –

Meine Zunge trägt einen Handschuh aus Samt
in den schillernden Farben meiner Gedanken,
die so lebhaft sind und dennoch gebannt
hinter undurchdringbaren Schranken.

Eine Schweigebarriere für viele Worte,
die nun für immer vielleicht ungesagt.
Versunken, verloren auch all jene Orte,
an denen man sich nicht mehr zu äußern wagt.

Ich fühle mich einsam selbst unter Freunden.
Es ist wie ein Sprint auf löchrigem Eis,
ein haltloses Fliehen in zynische Pointen.
Der Rückzug in Einsamkeit ist der Preis.

All das Ungesagte schlägt Saltos in mir,
verstopft meine Seele und martert den Geist.
Ich spüre, im Innern zerreißt es mich schier,
dies Ohnmachtsgefühl, das Unfreiheit heißt.

© Elke Bräunling

Himmelsglück 2024

Himmelsglück 2024 *
Kleines Gedicht zum blauen Himmel –

Staunend der Blick in den Morgenhimmel.
Ein schimmerndes Blau und kein Streifengewimmel.
Nur silberblau, ein bisschen auch violett,
ein paar Federwölkchen, nett und adrett.
Verschwunden das Falsche, der Schmutz und das Grau.
„Versprochen!“, raunt leise er. „Ich bleib heut blau.“
Mein Herz pocht schneller, mein Wunsch ist erfüllt.
Er ist nicht mit künstlichen Schleiern vermüllt
und so manch einer staunt heute: „Wie wahr! Oh, wie wahr!
Dies Himmelblau hatten wir selten im Jahr.“
Und so freut man bescheiden sich ein kleines Stück
für dieses Wunder, dies Himmelsglück.

© Elke Bräunling

Was, wenn Ängste sprechen?


Was, wenn Ängste sprechen? *
Gedicht und Song zu Fragen der Zeit –

Was, wenn das Wörtchen ‚wenn‘ nicht wär
und wir vertrauen könnten,
auf dass wir uns bedenkenlos
ein freies Leben gönnten?
Stellt man sich diese Frage noch
in ignoranten Zeiten,
in denen Menschen überall
sich uneins sind und streiten?

Was, wenn es Positionen gibt,
die Menschen trennen, spalten,
was Freunde so zu Feinden macht,
die nichts von Frieden halten?
Und was, wenn Fanatismus siegt
im Kampf um Menschenseelen,
wenn starrer Wahn Vernunft bekriegt
und Irre Leben stehlen?

Was, wenn es Soldaten sind,
die unsre Städte fluten
und wir für unsre Menschlichkeit
noch eines Tages bluten?
Was, wenn sie durch die Dörfer ziehn,
zu rauben und zu töten,
und keiner da ist, der uns hilft,
so schutzlos und in Nöten?

Was, wenn alles Lüge ist,
was sie uns stets erzählen,
damit wir weiter treu und brav
sie immer wieder wählen?
Doch was, wenn wir das Wörtchen „Nein“
verwenden und laut sagen,
dass wir dies üble Spiel verstehn
und uns zu wehren wagen?

Und wenn die Revolution sie frisst
und jagt dann eines Tages,
was stellt man dann am besten an
mit Menschen ihres Schlages?
An Fensterkreuze hängen, so wie’s
die Propheten künden,
auf dass sie büßen bis zum Tod,
für alle ihre Sünden?

© Elke Bräunling

Und hier eine großartige Vertonung von Balz Burch

(Text von Elke Bräunling und Musik von Balz Burch)

Widerstand

Widerstand *

Zappenduster ist’s noch nicht
und doch sieht man, wie Licht
ganz unbemerkt an Kraft verliert,
wie’s kühl wird und die Seele friert
aus Lethargie und Bitterkeit
und tiefer Hoffnungslosigkeit.
Wir dürfen nur nicht resigniern.
Wer jetzt nicht kämpft, der kann verliern.
Es gilt, vereint voraus zu gehn,
dem Bösen kühn zu widerstehn
mit Boykott und Widerstand
für uns, die Zukunft, unser Land.

© Elke Bräunling


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#juniverse2024 – 30. Juni – zappenduster

Nur ein Traum

Nur ein Traum *

Ich träum, ein alter Labersack
spielt mir einen Schabernack.
Er macht mir weis, es gäbe Streit
und Krieg jetzt in der Friedenszeit.
Ich wache auf, mein Herz klopft wild,
in meinem Kopf wächst schnell ein Bild
von Blut und Elend, Not und Tod
in Qualm umhüllt in einem Schlot.
Es löst sich auf, ich sehe klar,
bin froh, dass es ein Traum nur war.
Wie dumm auch, Krieg in unsrer Zeit?
Kein Mensch wär dazu doch bereit…?

© Elke Bräunling

#juniverse2024 – 22. Juni – Schabernack

Die Suchende

Die Suchende *

Der Saft ist raus, die Energie
ist derzeit niedrig wie noch nie.
Die Suche hat mich sehr erschöpft,
ich fühle mich wie leer geschröpft.
Mein Licht glimmt einer Funzel gleich,
der Kopf so müd, die Wangen bleich.
Zur Atempause fehlt die Zeit,
der Weg zur Wahrheit ist noch weit.

© Elke Bräunling

#juniverse2024 – 13. Juni – Funzel

Nach der Wahl

Nach der Wahl *

Katerstimmung, die Mundwinkel hängen,
gallige Worte in schrillen Klängen,
Vorwürfe fliegen wild hin und her
wie stumpfe Pfeile, so sinnlos und leer.
Dieser Schlamassel ist vorprogrammiert
wie immer nach Wahlen und deplatziert.
Schuld sind die andern, das kennt man schon,
und das ganze Spiel wird wieder zum Hohn.

© Elke Bräunling

#juniverse2024 – 12. Juni – Schlamassel

Hässliche Schatten

Hässliche Schatten *

Sie reden wieder vom Krieg,
von Kämpfen für einen Sieg
mit Eifer und martialischen Plänen,
und eine Perlenkette aus Tränen
zieht über dein Antlitz. Du weinst
um dein friedliches Leben und meinst,
die hässlichen Schatten schon jetzt zu sehn,
glaubtest du doch, das würde nie wieder geschehn.

© Elke Bräunling

#juniverse2024 – 7. Juni – Antlitz

Die nackte Kritik

Die nackte Kritik *

Alle schweigen, keiner regt sich,
es ist besser und bequem,
das Geschehen stumm zu sehn,
denn Kritik ist nicht genehm.
Und so klatscht man in der Menge,
schaut gebannt dem Unheil zu,
das hier herrscht mit hohler Strenge.
Keiner sagt etwas dazu.
Das erinnert uns doch leider,
und dies ist halt nun mal Fakt,
an den Kaiser ohne Kleider.
Der war splitterfasernackt.

© Elke Bräunling

#juniverse2024 – 6. Juni – splitterfasernackt

Reue

Gedicht …….*

 

Reue eines Staatsmanns

„Wir haben uns viel zu verzeihen!“,
so sagt er heute mit bittendem Blick,
„für Fehler, die wir (nicht) bereuen.
Drehn wir das Rad doch zum Anfang zurück!

Es ist auch so vieles geschehen
und das lag niemals in unserer Hand.
Wer konnte im Voraus denn sehen,
was so passieren würde im Land.

Wir baden in Unschuld die Hände.
Dieses Fiasko hat keiner erahnt.
Drum kommen wir nun hier zum Ende.
Und nein, da war gar nichts geplant.“

© Elke Bräunling

Andere Welten

Gedicht …….*

 

Andere Welten
Gedicht Fragen an das Leben

Gibt’s Worte, die noch ungesagt?
Musiken, die noch nie erklungen?
Gemälde, die noch nicht gemalt
und Lieder, die kein Mensch gesungen?

Gibt’s Farben, die noch keiner sah
und Reime, die noch ungeschrieben?
Auch Früchte, die noch keiner aß
und Düfte, die durch Träume fliegen?

Gibt es die Zeiten auf der Welt,
die voller Harmonie und Frieden,
die ohne Macht und ohne Geld
mit Menschen, die einander lieben?

Tief in mir drin, da schlummern sie
unendlich und für ew’ge Zeiten,
die da sind, doch erreichbar nie,
weit weg in andrer Welten Weiten.

© Elke Bräunling

Gespalten

Gedicht …….*

 

Gespalten

Deine Sprache ist nicht mehr meine.
Wir verstehen uns plötzlich nicht mehr.
Deine Wahrheit ist bloß die eine
und ändert sich von der meinen nun sehr.

Wir können nicht mehr diskutieren.
Das, was du sagst, entfacht in mir Wut.
Wir sehn, wie sich Lügen summieren,
und plötzlich ist gar nichts mehr für uns gut.

In Freundschaft ist Kälte gekrochen.
Das alte Versprechen auch ohne Wort
hat nun diese Zeit uns gebrochen.
Ich gehe am besten mir ihr von dir fort.

Was konnte uns bloß so sehr spalten?
Das neue „Anders“ kam überrascht.
Sind wir denn nun nicht mehr die Alten,
nachdem wir an fremden Ideen genascht?

© Elke Bräunling


Ideologien

Gedicht …….*

 

Ideologien

Diese Gestalten,
die lügen und spalten
und Hass säen, als gäb es kein Morgen,
bereiten dir Sorgen?
Wenn Worte und Phrasen,
ihr Hetzen und Rasen
aus Ideologie
und Wahnidiotie
dich ermüden,
so lass sie wüten
und hör nicht mehr hin.
Es hat keinen Sinn.
Zu kurz ist das Leben,
zu hoch der Preis,
um Zeit zu vergeben
für ideologischen Sch…

© Elke Bräunling