Pink Winter

„Ich fühle mich pink“, sagte er an jenem Abend im frühen Januar. „Dieser Klimawandelwinter ist pink.“
Er setzte sich ans Klavier und begann zu spielen.
Er spielte pink.
Pink Winter.

[youtube https://www.youtube.com/watch?v=f0VbQ9OdFMw]

Dieses Klavierstück in all seiner leicht abstrakten Virtuosität widme ich Herrn Prof. Dr. Dr. xxxxxx-Korruptivus von der Uniklinik xxxxxx. Er diagnostizierte 2008 vor Gericht als Unfall-Gutachter sehr zu Freuden der beklagten, nicht zahlend wollenden KFZ-Haftpflichtversicherung des Unfallverursachers eine irreparable Schädigung der linken Hand mit daraus resultierender Berufsunfähigkeit als Pianist. Diese Schädigung sei jedoch nicht durch den unverschuldet erlittenen Autounfall entstanden, sondern sei die Spätfolge eines Geburtsfehlers, der in Verschleiß ende. Klavier würde der Kläger nie mehr spielen können.
Danke, Herr Prof. Dr. Dr. xxxxxx-Korruptivus von der Uniklinik xxxxxx.
Unser Leben war seither nur noch ein K(r)ampf.
Die linke Hand ist dennoch nun vollständig wieder hergestellt.
Das Verfahren gegen diese Versicherung allerdings kann nicht wieder aufgenommen werden wegen Verjährung.

Nur mal so … aus dem arttäglichen Leben …

Surreal, unheimlich fast

Frei-Schreib-Zeiten. An einem Thema aus einer längst vergangenen Zeit geklebt. Hineingebissen. Verbissen. Leicht verzweifelt und mutlos, weil der entscheidende Kick unauffindbar war, den Tag beendet. Entschlossen, das Thema ad acta zu legen. Vergrabenes lässt sich zuweilen eben einfach nicht mehr ausgraben, auch nicht mit der Akribie eines Archäologen. Leicht missmutig ob dieser Tatsache zu Bett gegangen. Geträumt. Einen mir unbekannten Namen geträumt. Eine Stimme, die mir zuraunte: Such das Buch! Aufgewacht und zu nachtschlafender Zeit die Suchmaschine im Rechner betreten. Fundstück: Der geträumte Name. Autor eines Buch zu meinem vergrabenen Thema. Lächelnd wieder zu Bett gegangen und heute morgen ungläubig den Kopf geschüttelt. Nein, es war kein Traum. Er ist noch da, der Name und der Buchtitel. Surreal das Ganze, unheimlich fast – und nicht das erste Mal …

 

Glückssternchen auffangen

Wenn ich überhaupt einen Vorsatz für dieses neue Jahr habe, dann diesen:
Ich möchte noch mehr in jeder Minute des Tages, das Gute und Positive sehen. Es gibt nur sehr wenige Augenblicke, die so schwarz und grau sind, dass sich selbst das leiseste Glück verabschiedet hat. Nur wenige. Es sind die Momente, in denen man Verluste begreifen und verkraften muss. Doch selbst da habe ich die Erfahrung gemacht, dass es auch da jene kleinen leisen Momentchen gibt, die gut tun. Im Rückblick betrachtet. Das mag nun verquer und kryptisch klingen, aber ehrlich, auf eine andere Weise vermag ich es heute nicht zu beschreiben.

Glücksmomente sammeln, Glückssternchen auffangen, ja, das habe ich mir vorgenommen.

Heute gab es viele davon. Ein ganz zauberhaftes Glückssternchen war der Winterfrühling, der mir heute begegnet ist. Lächelnd und pfeifend durchstreifte er den Wald. Er tauchte die Luft in eine milde Würze und zauberte viele kleine Lieder in die Kehlen der Waldvögel, die es ihm mit einem wunderschönen Winterfrühlingskonzert dankten. Und ich dankte ihm auch und lauschte der Musik. Soooo sehr wohl fühlte ich mich in dieser milden Frühlingsluft, dass ich am liebsten die Zeit angehalten hätte. Den Winter, mit Verlaub, habe ich überhaupt nicht vermisst. Danke für diesen Glücksstern!

Glück wünsche ich auch Euch. Glück und Gesundheit und Friede und Freude und gute Gedanken und ein stressfreies, tolles neues Jahr!

 

Ein Lächeln nur … ein paar Worte…

Auch in Dingen, die nichts oder ganz wenig kosten, zeigt sich in unserer Gesellschaft (zumindest in der Gesellschaft, in der ich mich bewege) eine neue Art von Geiz: Der Geiz, Lob und Anerkennung auszusprechen. Eine Angewohnheit, die ich nicht verstehe und auch nicht verstehen möchte. Was ist daran schlimm oder zeitaufwändig oder “teuer”, anderen ein “Toll” oder “Gut gemacht” oder “Gefällt mir” oder ein schlichtes “Danke” zu gönnen? Im Gegensatz dazu ist man sehr sehr freigiebig damit, andere anzuraunzen, zu kritisieren, zu beschimpfen oder schlicht anzumachen. Oft wegen Kleinigkeiten nur. Dingen, die man mit ein paar klärenden Worten und einem Lächeln ge- und erklärt hätte. Warum ist das so?
Mein Wunsch fürs neue Jahr: Zeigt anderen Eure Freude, Eure Anerkennung, Eure Würdigung des Tuns Eurer Mitmenschen. Es ist so einfach: Ein Lächeln nur, ein paar Worte – und der Tag wird damit ein kleines Stück heller
Bitte.
Danke.
 😉
Und ein gutes, fröhliches NEUES JAHR Euch!

[youtube https://www.youtube.com/watch?v=qOJ0KS9bM1I]

Bunt.gefühlt

Sich fühlen wie eine bunte Stadt, ist, meine ich, ein gutes Gefühl zum Ende des Jahres.
Bunt waren die Tage, jeder einzelne von ihnen. Mal hell und leuchtend, mal grell und stressend, mal grau und traurig, mal voller Bangen gemischtfarbig, mal fein, mal gemein.
Für jede Begegnung, jedes Fühlen, jede Freuen, jedes Ärgern, jedes Trauern eine ganz ureigene Farbmischung.
Bunt war – und ist – auch die kleine Stadt in meinem Kopf und in meiner Schreiberseele.
Ideenbunt in jedem Genre meiner Arbeit(en).
Bunt ist fein.
Ich liebe es.

Euch wünsche ich auch viele wunderbunte Farben. Heute, morgen, immer …

 

 

Weihnachten eben

Aus allen Richtungen kamen Leute durch den funkelnden, knirschenden Schnee, manche auf Schlitten, mit Laternen in der Hand zur Kirche. Schweigend und still. In der Kirche war es wunderschön. Es roch richtig nach Weihnachten! Wir saßen im Dunkeln, doch vorne, am Altar, stand ein großer Tannenbaum mit funkelnden Kerzen. Darunter die Krippe in vollem Licht. Festlich erklang die Orgel. Zum Schluss sangen alle ‚Stille Nacht, heilige Nacht’ und jedes Jahr wieder kamen mir kleinem Jungen die Tränen und ich wünschte, dass das Lied nie zu Ende ging. Alles kam näher: die Krippe, Kerzen, das Kind im Stall, Sterne funkelnd vor den Kirchenfenstern – Weihnachten eben.
(aus: Uropas Weihnachtsfest …)

Händel.Wette

„Wetten, dass ich es schaffe, bis Weihnachten ein Händel-Orgelkonzert einzuspielen?“, wettete Herr Märchenflüsterin zu Beginn der Woche.
„Mit Orgel?“, fragte ich hoffnungsfroh, wohl wissend, dass das nicht funktionieren kann.
„Mit Cembalo und Orchester“, versprach der Meister.
„Gut!“
Gut!
Et voilà!

Wie gut, dass wir uns vor lauter Wetteifer keinen Wetteinsatz vereinbart hatten.

Ich liebe solche Wetten! 🙂

Er passt übrigens ganz wundervoll in die Weihnachtszeit, der „ge.cembalote“ Herr Händel, nicht wahr?

[youtube https://www.youtube.com/watch?v=AF48N_mNDuk] 
Georg Friedrich Händel, Concerto Nr. 4 F-Dur in einer Adaption für Cembalo und Orchester

Vom Schenken

Einfach mal so die Worte dahingeplubbert und Gedanken vor mich hingeplappert.
Es ist schon länger her, fünfzehn Jahre oder so, als ich beim Plubbern und Plappern diese kleinen Verse geschrieben habe. Für eine Sammlung von Kindergeschichten und -gedichten. Damals.
Heute entdecke ich den kleinen Vers im Internet in vielen Blogs, Websites und Gästebüchern. Sie müssen wohl vielen Menschen aus der Seele sprechen, diese kleinen Sätze.

 

Was schenk ich bloß?
Was denk ich bloß?
Was soll es denn nur sein?
Was schenk ich bloß?
Was tu ich bloß?
Mir fällt ja gar nichts ein.
Was schenk ich bloß?
Ich geh halt los,
kauf irgendetwas ein.
Irgendetwas.
Einfach so.
Es wird schon richtig sein!
Hübsch eingepackt,
wie man’s so tut…
An Weihnacht nämlich
ist ein jeder
mal zum andern gut.

Ich wünschte mir, ein fröhlicheres Gedicht erführe diese Nachfrage …

 

Wohin wird er gehen?

Wortfetzen schwirren durch das Tageinerlei. Undeutlich, verschwommen, geballtgekleistert im Trubegejubele der Endspurtstimmung. Oder Endzeitstimmung? Einige Worte sind deutlicher zu vernehmen. „Weihnachtsstress“ ist eines. „Weltuntergang“ ein anderes. Und weitere.
Endspurt oder Endzeit?
„Kräftig gebacken und aufgeräumt und gestern dann endlich die Pause. Nun heute geht es weiter, Endspurt, denn nur noch eine Woche, dann gibt es das große Fressen…“, lese ich irgendwo und fühle mich, irgendwie, nun auch in Endzeitstimmung…
Oder doch Endspurt?
Wohin wird er gehen, dieser dem Ende zupreschende Spurt?

Licht.geträumt


Vor dir steht das alte Haus mit dem Licht im Fenster unten rechts.
Die Kerze im Fenster flackert noch immer. Es ist, als winke sie dir zu. „Komm“, ruft sie. „Besuche mich!“
„Warum nicht?“, denkst du und überlegst, wie es in dem alten Haus aussehen würde. Altmodisch wie in einem Museum vielleicht?
Du stehst auf und klopfst dir den Schnee aus den Kleidern. Dann gehst du auf die Kinder zu, die nun bei dir am Brunnen angelangt sind.
„Darf ich mitkommen?“, fragst du, doch die beiden bewegen sich nicht mehr. Es tanzen auch keine Schneeflocken vom Himmel und das Licht im Fenster unten rechts flackert ebenfalls nicht mehr.
Du sitzt wieder vor deinem Adventskalender und schaust auf das Bild.
„Ich komme zurück“, versprichst du. „Morgen träume ich mich wieder zu dir und dann möchte ich die beiden Kinder und das alte Haus kennen lernen. Morgen.
Und nachher, nimmst du dir vor, wirst du auch eine Kerze aufs Fensterbrett stellen. Vielleicht, ja, vielleicht träumt sich ein kleines Mädchen oder ein kleiner Junge – oder ein Weihnachtsengelchen – für einen klitzekleinen Moment zu dir?
Schön wäre das …

aus dem Buch: Das Haus mit den Butzenscheiben