Kategorie: Herbstgedicht

Herbst … endgültig

Herbst … endgültig *
Herbstgedicht –

Endgültig! Der Sommer geht.

Die Sonne packt ihr Licht zusammen,
der Herbst zieht ein mit vollem Atem,
bläst Wolken wie Schiffe übers Land
und pustet sich kräftig durch die Welt:

Vögel fliegen in Pfeilformation gen Süden,
Blütenfarben machen sich leise aus dem Staub,
Blätter tanzen wie Federn von den Bäumen,
Nebel schleicht sich leise über die Wiesen,
und Mützen fliegen von den Köpfen der Kinder.
Die lachen, rufen laut: „Pust! Pust!“

Der Sommer winkt aus weiter Ferne,
die Sonne wird bleich und schläfrig.
Der Oktober naht.
Und ganz am Horizont
winkt schon der Winter,
geduldig und still.

© Elke Bräunling

Das leise Adieu

Das leise Adieu *
Herbstgedicht –

Die letzten Sonnenstrahlen
nach kühler Nebelnacht.
Der Abschied hält die großen Hände auf
wie ein Räuber, der nichts übrig lässt.
Die Blüten senken die Köpfe,
ihre Kraft ist verbraucht, die Farben verblasst.
Die Blätter, trocken und angesengt,
trudeln vom Baum, gelb und rot,
und schmücken die Wiese mit bunten Tupfen.
Die letzte Blume faltet ihre Blüten wie zarte Hände,
bereit zum Abschiedstanz.
Sie lässt die Farben still verwehen wie ein Lied,
das dem Sommer ein leises Adieu hinterher ruft.

© Elke Bräunling

Das Herbstblatt

Das Herbstblatt *
Herbstgedicht für Kinder –

Ich bin ein Blatt.
Die Sonne hat
mich grün erst und dann gelb bemalt
und ich hab hell vor Freud’ gestrahlt.

Der Sommer war
ganz wunderbar.
Mein Leben ist so gut und schön,
doch nun ist’s Zeit, nun muss ich gehn.

Die Kraft fehlt mir
am Ast nun hier.
Ich glaub, ich falle bald vom Baum,
mich noch zu halten schaff’ ich kaum.

Es läuft die Zeit.
Ich bin bereit.
Es wartet, wenn ich unten bin,
für mich ein neuer Lebenssinn.

© Elke Bräunling

Blätterherbst

Blätterherbst *
Das klitzekleine Kindergedicht vom Herbstbeginn

Die Bäume träumen tief den Traum
vom Sommerlicht, sie spüren kaum,
wie sich der Herbst ins Land nun schleicht
und es mit seinem Bunt bestreicht.
Ein Tupfer Rot, ein Schimmer Gold,
ganz zart, als hätt’s der Wind gewollt,
und eines Morgens staunt manch’ Baum.
„Der Herbst ist da! Man glaubt es kaum!“

© Elke Bräunling

Haselnüsschen

Haselnüsschen *
Spaßgedicht für Kinder –

Der Haselstrauch am Flüsschen
hängt wieder voller Nüsschen,
und alle Mäuse freuen sich
am reich gedeckten Haseltisch.

Auf sanften Trippelfüßchen
mit einem lieben Grüßchen
kommt noch ein Gast mit an den Tisch.
Es ist das Eichhorn Squirrelsquish. *

Es hat ein Nüsse-Lüstchen
und spreizt gespannt sein Brüstchen,
doch Nüsse gibt’s gerade kaum,
es hängen viele noch am Baum.

„Ich gebe euch ein Küsschen
für nur einzig’ Nüsschen“,
sagt es und lacht die Mäuse an,
weil es am besten betteln kann.

„Dort oben sind die Früchtchen
hoch in des Strauches Lüftchen.
Drum klettere du in den Strauch
und sammle sie – für uns gleich auch.“

Dies sagen ihm die Mäuschen
nach einem Nachdenkpäuschen.
Das Eichhorn brummelt: „Ich verzicht’,
denn Klettern mag ich heute nicht.“

Laut lachen alle Nüsschen
im Strauch nun hier am Flüsschen.
Da kommt der Wind und pustet fest
und runter fällt der ganze Rest.

Der Haselstrauch am Flüsschen
verliert so alle Nüsschen
und alle Tiere sind bald satt
und nun vom Nüssefuttern matt.

*Squirrel heißt das Eichhörnchen auf Englisch,
squisch heißt u.a. quietschen

© Elke Bräunling

Die erste Kastanie

Die erste Kastanie *
Herbstgedicht für Kinder –

Die erste Kastanie fällt früh aus dem Baum.
Sie träumte vom Fliegen, doch bleibt es ein Traum.
„Ich weiß nicht“, ruft sie nun, „wie mir geschieht.
Hier lieg ich im Grase, wo keiner mich sieht.“

Sie fühlt sich alleine und es ist ihr bang.
Die anderen hängen am Baume noch lang.
„Was soll nun werden, ich bin ja noch klein.
Ich möchte so gern unter Freunden jetzt sein.“

Da kommt ein Kind und es jubelt ganz laut:
„Was für eine Freude! Kommt alle und schaut!
Die erste Kastanie, heißt es, die bringt Glück,
wenn ich sie mir hole und mich nach ihr bück.“

„Hurra, liebes Kind! Oh, lass mich bei dir sein.
Schon sind wir beide nicht mehr so allein“,
ruft die Kastanie. Dann schmiegt sie sich sacht
in eine Kinderhand, freut sich und lacht.

© Elke Bräunling

Wer zeigt uns, dass es Herbst ist?

Wer zeigt uns, dass es Herbst ist? *
Kindergedicht und -lied –

Wer zeigt uns, dass es Herbst ist?
Die Sonne ist’s, die Sonne ist’s!
Sie kann mit ihren schrägen Strahlen
immer längre Schatten malen.
Kurz und kürzer wird die Zeit.
Der Herbst hält sich bereit.

Wer zeigt uns, dass es Herbst ist?
Die Blumen sind’s, die Blumen sind’s!
Sieh nur ihre starken Farben,
die sie nun auf einmal haben.
Wie Laternen leuchten sie
wie sonst im Jahre nie.

Wer zeigt uns, dass es Herbst ist?
Die Bäume sind’s, die Bäume sind’s!
Welke Blätter murmeln leise:
„Wir gehn bald nun auf die Reise.
Das ist unsere Natur
auf dieser Zeitenuhr.“

Wer zeigt uns, dass es Herbst ist?
Die Vögel sind’s, die Vögel sind’s!
Kaum noch hört man jetzt ihr Singen,
wenn sie sich gen Himmel schwingen.
Ihnen bleibt nicht mehr viel Zeit,
denn ihr Weg ist weit.

Wer zeigt uns, dass es Herbst ist?
Die Welt ist’s, die Welt ist’s!
Alle freu’n sich auf die Zeiten,
denn der Herbst hat schöne Seiten,
und dass er sich selbst gefällt,
das weiß wohl alle Welt.

© Elke Bräunling

Kleines Herbstlied für kleine Leute

Kleines Herbstlied für kleine Leute *
Herbstgedicht/Kinderlied zum Herbst

Der Herbst zieht leise ein ins Land.
Er nimmt uns freundlich an der Hand
und zeigt uns seine bunte Welt,
die schön ist und die uns gefällt.

Komm mit und sieh dich bei ihm um
und staune, was nun reift ringsum.
Fast jeder Tag ist Erntetag
und jeder erntet, was er mag.

Die Äpfel reifen, rot und rund,
auch Birnen, Trauben, süß und bunt.
Zum Naschen lädt der Herbst uns ein
und seine Schätze schmecken fein.

Die Sonne zeigt sich nicht mehr lang
und immer kleiner wird ihr Gang
am Himmel weiter durch die Zeit,
der Nebelherbst steht schon bereit.

Das ist nicht schlimm, denn nun beginnt
die Kuschelzeit, die jedes Kind
von Herzen über alles liebt
und die’s im Herbst sehr oft auch gibt.

© Elke Bräunling

September

September *
Kleines Gedicht zum Herbstanfang –

Da bist du nun und sollst willkommen sein,
malst Gold ins Laub, streust Licht herein.
Dein Wind, so sanft, holt stumm das kleine Glück
von Sommerträumen noch einmal zurück.

Das Dunkel aber sitzt dir schon im Haar
und raunt uns zu: „Der Herbst ist da!“
Und leis mit einer Prise Traurigkeit
schleicht Morgennebel in dein goldnes Kleid.

© Elke Bräunling

Herbstzeitlose

Herbstzeitlose *
Gedicht zum Herbstanfang –

Zartes Flimmern lila-blass,
bescheiden klein im welken Gras,
blüht auf Wiesen dieser Tage,
die Herbstzeitlose, diese karge
kleine Blume, die uns kündet,
dass das Jahr im Herbst nun mündet.
Man erschrickt, wenn man sie sieht,
weil mit ihr die Wehmut blüht,
mit Sommersonnenabschiedsschmerz,
ein lachend’ und ein weinend’ Herz.

© Elke Bräunling