Sommer…bunt

Sommer ist, wenn du dich fröhlich fühlst,
heiter und – ? – bunt, bunt, bunt.
Du siehst bunt
das Meer der Blüten
in Wiesen, Gärten und Häuserfassaden,
das Farbenkarussell von Kleiderstoffen und Straßencafés.
Du hörst bunt
die Jubelmusik des Sommers:
das Zwitschern der Vögel, das Grillenkonzert,
Hundegebell und fröhliches Lachen der Kinder.
Du riechst bunt
aus vielerlei Tausend-und-einer-Nacht,
gezaubert von Blumen und Bäumen,
taufrisch, sonnenwarm, regendurchtränkt.
Du fühlst bunt, denn Sommer ist
heiter und – ? – bunt, bunt, bunt.

 

Märchenerzähler

„Es war einmal, es war keinmal, es war und es ist…“ Der Märchenerzähler stockte. Er wusste nicht mehr weiter. All die Märchen und Geschichten, die er in seinem Kopf gut verwahrt hatte, waren auf einmal – wie durch einen bösen Zauber verhext – weg. Ausradiert waren sie. Vergessen.
Erschrocken rieb sich der Märchenerzähler die Augen, dann schüttelte er ratlos und auch ein bisschen ängstlich den Kopf.
„Das kann doch nicht wahr sein. Das … ist … nicht … wahr!“
Er vergrub das Gesicht in seinen Händen und schloss die Augen.
„Erinnern“, murmelte er. „Ich muss mich erinnern.“
„Niemand muss müssen und niemand kann immer funktionieren wie eine gut geölte Maschine“, raunte ihm eine fremde Stimme zu. „Versuche nicht, dich um jeden Preis zu erinnern. Auf diese Weise wirst du deine Märchen niemals wiederfinden und …“
„Es sind nicht meine Märchen“, unterbrach der Märchenerzähler die unsichtbare Fremde. „Erlernt habe ich sie alle. Mühsam erlernt. Ach!“
Er fuhr sich verzweifelt mit den Fingern durch die Haare. „Ich bin ruiniert. Ich …“
Er stockte und sah sich als jungen Mann, der einen großen Lebenstraum hatte, wieder. Schreiben. Er wollte all die Geschichten und Märchen und Ideen, die er im Kopf mit sich herumtrug, niederschreiben. Damals. Was aber hatte er stattdessen getan?
Begreifend schlug sich der Mann an die Stirn. Nichts hatte er aufgeschrieben. All seine eigenen Geschichten waren ungesagt geblieben. Niemand hatte sie je gehört oder gelesen, weil sie in seinem Kopf festsaßen.
„Erkennst du es?“, fragte da die Stimme. „Mit fremden Märchen und Geschichten hast du deine eigenen Ideen zugedeckt und sie darunter versteckt. Und nun …“
Wieder unterbrach der Mann die Stimme. „Und nun wehren sie sich“, sagte er schnell. „Sie wehren sich und begraben all mein Wissen, das ich mir in so vielen Jahren meines Lebens angeeignet habe.“
Er lächelte und sagte nur noch ein Wort: „Endlich!“
Dann nahm er Stift und Papier und gab all den ungesagten, vernachlässigten Ideen und Geschichten die Freiheit, so wie er es sich immer erträumt hatte.

 

Julifee

„Wärme! Ich bringe Wärme dem Land. Wärme. Mein Monat ist als Sonnenmonat bekannt. Jeder liebt Wärme. Die Menschen, Tiere, Blumen, Bäume. Ihnen allen bringe ich Wärme und bunte Sommerträume.“
Fröhlich sang die Julifee ihr Lied. Sie lag auf einer Wolke und sammelte Regentropfen auf.
In der Nacht hatte sie ein Gewitter übers Land geschickt, um die Schwüle zu verjagen. Nun winkte sie die Sonne herbei. Der Tag sollte wieder ein Sonnentag werden.
Gierig leckten und fraßen die Sonnenstrahlen die Regentropfenperlen vom Laub der Büsche und Bäume, von Wiesen, Straßen, Pfützen, Dächern, Parks und Gärten und schickten sie himmelwärts.
„Keine Bange“, rief die Julifee. „Der Juli ist ein Sommersonnenmonat und ich werde für Wärme sorgen…“
(Ausschnitt aus: Als die Julifee die Sommerwärme brachte)

 

Juli

“Mein Tun”, erklärte jener satte und verwöhnte Kerl, “liegt im Nichtstun. Sie lieben mich. Sie lieben mich alle. Ha!“
Zufrieden räkelte sich der Juli auf einer Schönwetterwolke. Er schätzte jene heißen, trägen und auch ein wenig faulen Sommertage sehr und es freute ihn, wie sehr die Menschen ihn genossen. Ja, so konnte es bleiben. Ruhig und entspannt ohne Stress und Turbulenzen.
„Was bin ich doch für ein herrlich warmer und erholsamer, ein köstlich feiner und genussreicher Monat”, befand er mit einem behaglichen Stöhnen. „Ich. Der Schönste im Jahr. Urlaub! Ferien! Sonne! Wärme! Genuss! Lebensfreude! Es ist, als wären sie alle meine Kinder! Als hätte ich sie erfunden.“
(aus: Sommergeschichten, Vom trägen Monat Juli)